Die Himmelsleiter von Vals

Spektakuläres Hotelprojekt im Bündner Bergdorf: Vals soll einen Luxussuiten-Turm erhalten.

Spektakuläres Hotelprojekt im Bündner Bergdorf: Vals soll einen Luxussuiten-Turm erhalten.

Es ist ein Projekt der Superlative, das Investor Remo Stoffel und sein Spiritus Rector Pius Truffer im Bündner Bergdorf planen. Jetzt sind erste Details bekannt – und mit Vorsicht zu geniessen.

Eigentlich hätte bis zum 25. März, wenn die Bauherrin 7132 AG in Zürich das Projekt der Superlative vorstellen wird, nichts durchsickern sollen. Doch wie meist bei umstrittenen Vorhaben solcher Grössenordnung mit entsprechend vielen involvierten Personen suchen sich zumindest Teilinformationen den Weg an die Öffentlichkeit. Remo Stoffel hält dennoch an seinem Fahrplan fest. Deshalb gilt in seinen Worten: «Alle Berichte, die vor der Medienkonferenz veröffentlicht werden, basieren auf Gerüchten, Mutmassungen und Unterstellungen.»

Die Informationen, die der «Schweiz am Sonntag» vorliegen, sind allerdings ziemlich glaubwürdig – auch wenn die Zahlen zuerst einmal unglaublich klingen. Der vom amerikanischen Stararchitekten Thom Mayne von Morphosis Architects geplante Hotelturm im Superluxussegment soll nicht weniger als 380 Meter hoch werden. Und das auf einer Grundfläche von 16 Meter Breite und 30 Meter Länge.

Die nicht datierte Visualisierung, die der «Schweiz am Sonntag» zugespielt wurde, stammt offenbar vom November letzten Jahres und zeigt gemäss unbestätigten Informationen bereits die Konturen des definitiven Baus – allerdings noch in einer bescheideneren Höhe. Es dürfte jenes Projekt sein, an dem sich die Geister der Fachjury schieden («Südostschweiz» vom 11. Februar).

Pritzker-Preisträger Mayne selbst schreibt von 100 Luxussuiten, die in dem Gebäude Platz finden sollen. Übernachtungskosten gemäss früheren Angaben der 7132 AG: 1000 bis 25 000 Franken – pro Nacht.

Kein Geheimnis sind die Kosten. Für den vom japanischen Architekten Tadao Ando entworfenen Park und das Hotel will Stoffel bis zu 200 Millionen Franken investieren. Und er will damit sehr rasch beginnen. Bereits im Herbst soll die nötige Zonenplanänderung der Valser Bevölkerung zur Abstimmung vorgelegt werden. Sagt sie Ja, bekommt das Dorf das höchste Gebäude, das in Europa – abgesehen von Sendemasten, Schornsteinen und Bohrinseln – jemals gebaut worden ist.

Damit wären Stoffel und Truffer mit ihrer Vision, aus Vals ein Architekturmekka zu machen, am Ziel. Herzstück bleibt die Therme von Peter Zumthor, dem grossen Gegenspieler, der mit dieser Entwicklung gar nichts am Hut hat. Ist es Grössenwahn, der die Promoter umtreibt? Truffer sagte einst: «Ich weiss, wir greifen nach den Sternen. Wir möchten eines der fünf besten Hotels der Welt bauen.»

Zielpublikum sind schwerreiche Geschäftsleute aus Asien und dem arabischen Raum, die ihre zeitlich befristete Europa-Basis in Vals einrichten und mit Gefolgschaft anreisen. Um einigermassen flexibel zu sein, soll ihnen ein Heliport zur Verfügung stehen – sofern die Bundesbehörden einen solchen genehmigen.

Noch gibt es zahlreiche Fragezeichen hinter der Strategie der «Himmelsstürmer» Stoffel und Truffer. Wenigstens die architektonischen dürften an der Medienkonferenz vom 25. März wohl geklärt werden. Ob die Vision jemals über den Projektstand hinaus kommt, ist offen.

Der Widerstand in der Region Vals, den bisher einige wenige Personen leisteten und der darüber hinaus oft anonym erfolgte, dürfte zunehmen. Nicht nur, weil allein die Zahlen schwindelerregend sind, sondern auch, weil sich die Frage noch drängender stellen wird, was mit dem Dorf in gesellschaftlicher Hinsicht geschieht.

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