Von Birgit Baumann aus München

An Schlaf war für sie in der Nacht auf Samstag nicht zu denken. Doch trotz der Hektik und der nervlichen Anspannung haben die Polizistinnen und Polizisten von München das Lob mitbekommen, das der Polizei für ihre Vorgehensweise in den dramatischen Stunden ausgesprochen wurde. Zwar zeigte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel über den Amoklauf schockiert, doch sie dankte zugleich den Einsatzkräften für ihre «hoch professionelle» Arbeit und sagte: «Sie waren und sind im besten Sinne Helfer und Beschützer der Bürgerinnen und Bürger.» Viele andere Politiker äusserten sich ebenfalls in diesem Sinne.

Schon kurz nachdem am Freitagabend der erste Notruf bei der Polizei eingegangen war, zeigte diese auf zweierlei Weise massive Präsenz. Alle verfügbaren Kräfte wurden auf der Strasse eingesetzt. Gleichzeitig begann eine Informationsoffensive. Innerhalb von 15 Stunden setzte die Polizei München 81 Tweets in Deutsch, Englisch, Französisch, Türkisch ab. Oberstes Gebot war dabei neben der Information auch die Beruhigung der Öffentlichkeit. Keine einfache Sache, denn die Polizisten wussten lange Zeit nicht, was genau geschehen war. Ein Terrorakt? Ein Amoklauf? Bloss ein Täter, oder mehrere?

Zunächst hiess es am Freitagabend, drei Täter «mit Langwaffen» seien auf der Flucht. Ein Irrtum, wie sich herausstellte. Offenbar hatten Augenzeugen in dem Chaos Polizisten mit Gewehren für Täter gehalten. Also mahnte die Polizei in den Tweets: «Meiden Sie öffentliche Plätze. Die Lage ist noch unübersichtlich.» Sie bat zudem eindringlich: «Bitte keine Fotos/Filme von polizeilichen Massnahmen online stellen. Unterstützt nicht die Täter!» Gleichzeitig richtete sie in Windeseile eine Website ein, auf der Augenzeugen Fotos und Videos vom Tatort hochladen konnten.

Nun hat er eine eigene Fanseite
Besonders hervor stach Marcus da Gloria Martins, Pressesprecher der Münchner Polizei. Eigentlich wollte der 43-Jährige seinen Feierabend mit der Familie verbringen. «Meine Kinder waren ziemlich enttäuscht, dass ich spontan wegmusste», beschrieb er den schwierigsten Dienstabend seiner bisherigen Laufbahn. Er meisterte ihn aber so souverän, dass er nun als heimlicher «Held» jener Nacht gilt.

Egal, wie aufgeregt die Fragen von Journalisten vor Ort sind, Gloria Martins bleibt ruhig und gelassen, beantwortet jede Frage. «Wichtig ist mir der Aspekt, dass man Ruhe bewahren sollte», sagt er später und fügt hinzu: «Mir bleibt ja nichts anderes übrig.»

Aufgewachsen ist der Familienvater mit portugiesischen Wurzeln im Rheinland. Nach München kam er «der Liebe wegen». Er war im Rauschgiftbereich als Fahnder, Dienststellenleiter bei der Verkehrspolizeiinspektion und einfacher Streifenpolizist. Als er im Oktober die Presseabteilung übernahm, begann er sogleich, die Präsenz der Münchner Polizei auf Facebook und Twitter auszubauen. Nun hat er gar eine eigene Fanseite. Doch dem Vielgelobten ist der ganze Trubel peinlich: «Es geht nicht um meine Person», sagt er. Er sei vielleicht das «Gesicht» gewesen, aber die Leistung hätten jene 2300 Einsatzkräfte erbracht, die die ganze Nacht auf Münchens Strassen unterwegs waren.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper