Wer einen krisenfesten Job sucht, muss zurück in die Schule. Nicht, um zu lernen, sondern um zu lehren. Nirgends ist es für Hochschulabsolventen derzeit einfacher, eine Stelle zu finden, als im Klassenzimmer.

Lediglich 0,8 Prozent der Neu-Lehrer sind ein Jahr nach Abschluss ihrer Ausbildung erwerbslos. Das geht aus einer neuen Befragung des Bundes von über 31 000 Hochschulabsolventen hervor. Die Quote dürfte sogar noch weiter sinken. In den nächsten 10 bis 15 Jahren werden Zehntausende Lehrer pensioniert. Dabei führt der Mangel bereits heute zu Auswüchsen: Schulen stellen vermehrt Lehrkräfte ein, die das Stellenprofil gar nicht erfüllen. Arbeitslose Lehrer dürften auf Jahre hinaus so selten bleiben wie Schneeflocken in der Sahara.

Mehr Mühe einen Job zu finden, haben hingegen Absolventen einer Universität (4,6 Prozent) oder Fachhochschule (3,9). Trotzdem ist es auch für sie vergleichsweise einfach. Ihre Quote liegt zwar auf ähnlichem Niveau wie in der Gesamtbevölkerung (4,5 Prozent). Nur auf Berufsneulinge bezogen, ist sie aber tief.

Ein Mega-Trend als Hilfe
Bemerkenswert sind die Unterschiede zwischen den Universitäten. Absolventen der HSG (St. Gallen) oder ETH Zürich haben weniger Mühe auf dem Arbeitsmarkt als jene der Universität Lugano oder Genf. Für den emeritierten Ökonomie-Professor Franz Jaeger hat dies verschiedene Ursachen: «ETH und HSG lehren und forschen sehr arbeitsmarktorientiert und kooperieren direkt mit Unternehmen», sagt er. Zudem würden sich beide am Mega-Trend der kommenden Jahrzehnte orientieren: der vierten digitalen Revolution.

Besonders die ETH Zürich zeige mit Spin-off-Firmen ihre Nähe zur Wirtschaft. Dass die ähnlich erfolgreiche ETH Lausanne mehr Erwerbslose aufweist, liege an der Genfersee-Region, vermutet Jager. Dort sei die Quote generell höher.

Die Rektoren sehen andere Gründe für die Differenzen. «Das hat nichts mit der Qualität der Ausbildung zu tun», sagt Michael Hengartner, Rektor der Universität Zürich und Präsident der Schweizer Hochschulen. «Entscheidend ist die Fachrichtung.» Tatsächlich zeigen sich hier deutliche Unterschiede. Arbeitslose Mediziner (0,4 Prozent) gibt es kaum, grössere Probleme, schnell eine Stelle zu finden, haben hingegen Jus-Studenten (4,7) oder Sozial- und Geisteswissenschafter (6,3).

Bei den Fachhochschulen zählen Absolventen der Musik, des Theaters und der Künste zu jenen mit den höchsten Werten (12,7). Dafür finden im Gesundheits-Bereich (1,3) fast alle eine Stelle. Fünf Jahre nach Abschluss gleichen sich die Quoten allerdings überall an. Geistes- und Sozialwissenschafter finden dann genau so oft eine Stelle wie Wirtschaftsabsolventen. «Das zeigt, dass die Unkenrufe der Politik nicht gerechtfertigt sind», sagt Hengartner. Allen voran die SVP kritisiert, dass zu viele Studenten Soziologie oder Ethnologie belegen würden.

Ökonom Jaeger empfiehlt jungen Menschen dennoch bestimmte Fachrichtungen: Er sieht grosse Chancen im MINT-Bereich, also in Berufen der Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Dazu zählt er auch handwerkliche Berufe. «Solche Leute sind heute gefragt.» In anderen Branchen sieht er schrumpfende Möglichkeiten. «Früher war eine Ausbildung in der Banken-Branche fast eine Job-Garantie», sagt Jager. «Heute besteht ein viel höheres Risiko, den Job zu verlieren.»

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