Drei Redner gab es, die in der Schweizer Botschaft in Moskau auftraten. Yuri Vorobiev, Vizepräsident des Russischen Föderationsrates, Vasili Nebenzya, Vize-Aussenminister – und Filippo Lombardi, Ständerat und Co-Präsident der parlamentarischen Freundschaftsgruppe Schweiz-Russland. Sie eröffneten das Jahr, in dem die beiden Länder ihre 200 Jahre alte diplomatische Beziehung feiern.

«Wir können es heute mit Sicherheit bekräftigen», hielt Lombardi in seiner Rede fest: Ohne die entscheidende Rolle Russlands am Wiener Kongress von 1815 «würde die moderne, unabhängige, neutrale und föderale Schweiz nicht existieren».

Und Lombardi sang ein Hohelied auf die Diplomatie. Dieses Beispiel zeige: «Solange die Diplomatie spricht, schweigen glücklicherweise die Waffen.» Eine in der aktuellen Krisensituation durchaus doppeldeutige Aussage.

Lombardi würdigte auch das Ausmass der Beziehungen in den letzten Jahren. 2009 kam mit Dmitri Medwedew der erste russische Staatspräsident in die Schweiz. Russland ermöglichte der Schweiz, an den G-20 teilzunehmen. Die Schweiz erleichterte Russland die WTO-Mitgliedschaft und vermittelte im Konflikt zwischen Russland und Georgien.

Noch im Frühling wird diese Beziehung um ein besonderes Ereignis reicher. Bundespräsident Didier Burkhalter wird im Rahmen der 200-Jahr-Festivitäten nach Russland reisen, trotz der aktuellen Krise. Noch sind die Daten nicht bestätigt. Das zeigen Recherchen. Konfrontiert mit diesen Informationen, bestätigt das Aussenministerium (EDA) die Pläne.

Für Martin Bäumle, GLP-Präsident und Co-Präsident der parlamentarischen Freundschaftsgruppe Schweiz-Ukraine ist es «eine einmalige Chance, dass die Schweiz mit Didier Burkhalter in einer Person den Bundespräsidenten, Aussenminister und OSZE-Präsidenten hat», wie er betont. Und er verhalte sich «sehr unaufgeregt und sehr pragmatisch».

Bäumle übt auch keine Kritik an Lombardis Russland-Trip. «Ich finde es gut, dass er nach Moskau reiste», sagt er. «Wir haben die Positionierung vor seiner Abreise besprochen.» Die beiden parlamentarischen Freundschaftsgruppen Schweiz-Russland und Schweiz-Ukraine «befürworten die Rolle der Schweiz als Vermittlerin», betont Bäumle. «Und wir wollen alle Möglichkeiten nutzen, mit Vertretern beider Länder auch unter vier Augen zu sprechen.» Für beide Freundschaftsgruppen gelten zwei zentrale Positionen, wie Lombardi festhält: «Das Territorium der Ukraine soll unversehrt bleiben. Und der Sprachen-Pluralismus in der Ukraine soll gewährleistet sein.»

Die Situation in Russland sei «angespannt», schildert Lombardi die Lage. Und die Russen begrüssten Putins Position. «Sobald man mit Russen über die Ukraine spricht, zeigen sie sich aus historischen Gründen und aus nationaler Identität heraus absolut auf Putins Linie.» Es gebe viele Informationen, nach denen Angehörige der russischen Minderheit in der Ukraine «verfolgt, geschlagen oder gar getötet» worden seien.

Auch wenn die Schweiz zurzeit die OSZE-Präsidentschaft innehält, will sie am bilateralen Programm der Feierlichkeiten mit Russland nichts ändern. «Die Vorbereitungen laufen planmässig», heisst es beim EDA.

In seiner Rolle als OSZE-Vorsitzender hatte Burkhalter am 24. Februar im UN-Sicherheitsrat die Idee einer internationalen Kontaktgruppe mit Russland, Ukraine, EU und USA lanciert. Sie sei «auf ein positives Echo» gestossen, heisst es beim EDA. Der Schweizer OSZE-Vorsitz engagiere sich auf verschiedenen Ebenen, um die Konkretisierung der Kontaktgruppe voranzubringen. Auf Einladung Frankreichs habe Bundespräsident Burkhalter zum Beispiel am Mittwoch als OSZE-Vorsitzender an einem Treffen der Aussenminister von Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Italien, Polen, der Russischen Föderation, der USA und hochrangiger Vertreter der EU und der UNO in Paris teilgenommen.

«In den vergangenen Tagen hat er in persönlichen Gesprächen unter anderem mit dem UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, dem russischen Aussenminister Lavrov und dem deutschen Aussenminister Steinmeier die Krise um die Ukraine diskutiert», hält das EDA fest. «Und mögliche Lösungsansätze, bei welchen die OSZE eine Rolle übernehmen könnte.» Recherchen zeigen: Vor allem das Verhältnis zu Deutschland ist sehr eng. Weil das Nachbarland für seine Energiewende auf russisches Gas angewiesen ist.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper