Nach Michael Schumachers Skiunfall entbrannte die Diskussion um Skiunfälle neu. Doch entgegen der medialen Aufmerksamkeit zeichnet sich eine Trendwende ab. Neue Zahlen zeigen: Die Verletzungen auf der Piste werden weniger.

Einen Rückgang von 10 Prozent registriert Dieter Bogner von den Bergbahnen Engadin St. Moritz. Einen gleich hohen Rückgang verzeichnen auch die Flumserberge. Gar 13 Prozent weniger Unfälle ereigneten sich in Arosa, und in Zermatt wird ein Rückgang von 16 Prozent registriert. Laax und Hoch-Ybrig sprechen von einem Rückgang von 2 bis 3 Prozent.

In einigen Skigebieten geht der Rückgang zwar auf einen Einbruch bei den Gästezahlen zurück. Doch lange nicht in allen Gebieten ist das der Grund. «Die Anzahl der Gäste im Gebiet liegt im 5-Jahres-Durchschnitt», heisst es in Laax. «Die Gästezahlen sind aktuell mit steigender Tendenz wieder auf Vorjahresniveau», sagt Markus Hasler, CEO der Zermatt-Bergbahnen. «Dies stützt die Aussage betreffend einen tatsächlichen Rückgang der Unfallzahlen.»

Als Ursache für die zurückgehenden Unfälle sieht er den Schneefall: «In Zermatt liegt seit Beginn der Wintersaison sehr viel Schnee, was positive Auswirkungen auf die Pistenbeschaffenheit hat.» Ähnlich sieht es Dieter Bogner aus St. Moritz: «Es liegt zurzeit sehr viel Schnee und die Bedingungen sind genial.» Dadurch werde vermehrt abseits der Pisten gefahren. Auch die aktuell gute Pistenqualität tue ihr Übriges.

Nicht zuletzt sorgen auch die immer häufiger getragenen Schutzkleidungen für einen Rückgang. «Die Rückenpanzer und Helme werden jährlich bequemer und komfortabler», sagt Yvonne Keller von den Bergbahnen Hoch-Ybrig. «Dass die Zahl an Unfällen zurückgeht, hat auch damit zu tun, dass rund 90 Prozent der Gäste einen Helm tragen.» Damit liegt das Skigebiet in den Voralpen im Durchschnitt: In St. Moritz tragen etwa 80 bis 85 Prozent einen Helm. Vor zehn Jahren waren es noch 16 Prozent.

Die erfreuliche Entwicklung ist auch in Spitälern spürbar. «Wir haben im Vergleich zum Vorjahr 22 Prozent weniger Wintersport-Verletzte, obwohl wir insgesamt fast ein Viertel mehr Patienten behandelten als in der Vorjahresperiode», sagt Christoph Sommer, Chefarzt Chirurgie am Kantonsspital Graubünden. Der Rückgang bei den Skifahrern betrage 20 Prozent, jener bei den Snowboardern 37 Prozent. Eine ähnliche Bilanz zieht auch die Rettungsorganisation Rega: In der gleichen Zeitperiode mussten ihre Helikopter letztes Jahr über 1000 Wintersport-Einsätze fliegen, während es dieses Jahr 954 waren. Das entspricht einem Rückgang von 5 Prozent.

Nach wie vor führen Knochenbrüche die Statistik der Unfälle an. Am häufigsten müssen die Churer Ärzte Schlüsselbeinbrüche oder Handgelenksbrüche behandeln. Kollisionen machen 6 bis 7 Prozent der Unfälle aus. «Häufig sind Schulter- und Handgelenksverletzungen an der oberen Extremität, an der unteren Extremität dominieren Knieverletzungen sowie Unterschenkelfrakturen», sagt auch Hans Curd Frei, Co-Chefarzt Chirurgie am Spital Davos.

Von der gestiegenen Bereitschaft, Helme zu tragen, profitieren auch die Spitäler. «Wir stellen deswegen eine leichte Abnahme der Kopfverletzungen fest», sagt Urs Baumberger, Spitaldirektor des Kantonsspital Nidwalden. Vier Skigebiete liegen in seinem Einzugsgebiet, darunter Engelberg. Ganz generell würden die Verletzungsmuster aber eher komplexer. «Dies könnte auf immer besseres Material sowie gut präparierte Pisten zurückzuführen sein», sagt er. «Dieses gute Material animiert, schneller zu fahren.»

Einen weiteren Grund sieht Christoph Sommer vom Kantonsspital Graubünden: «Je weniger natürlicher Schnee und je mehr Kunstschnee vorhanden ist, umso härter sind die Pistenverhältnisse – und desto schwerer die Verletzungen», sagt er.

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