Manche sagen, Shisha-Bars sind wie Döner-Buden: Jeden Tag geht irgendwo eine neue auf. Nirgends zeigt sich dieser Trend besser als hinter dem Bahnhof Oerlikon. An der Friesstrasse gibt es gleich vier Wasserpfeifen-Bars, dicht aneinandergereiht. Die hohe Nachfrage macht es möglich. «Little Istanbul» oder «Balkanstrasse» wird die Shisha-Meile auch genannt.

«Das Geschäft läuft nicht gut», sagt Petrit Koxha und lächelt, «es läuft sehr gut.» Der 21-Jährige ist Wirt in der Hanedan-Bar an der Friesstrasse. Seit eineinhalb Jahren verkauft er Wasserpfeifen für 18 Franken an seine Gäste – manchmal bis zu 90 Shishas pro Tag. «Die jungen Menschen chillen heute lieber mit einer Shisha, als in den Klubs zu feiern.»

Die gestiegene Nachfrage zeigt sich auch an den Grenzen. Gemäss Angaben der Eidgenössischen Zollverwaltung wurden in den ersten fünf Monaten dieses Jahres 300 Tonnen Shisha-Tabak eingeführt. Damit hat sich der Import in nur einem Jahr verdreifacht. 2013 waren es im selben Zeitraum erst 100 Tonnen. Ein Jahr davor – bei der ersten gesonderten Erhebung – 76 Tonnen. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 360 Tonnen Shisha-Tabak importiert. Der jüngste Suchtmonitoring-Bericht des Bundesamts für Gesundheit widerspiegelt den Boom. Darin gibt fast jeder dritte 15- bis 19-Jährige an, regelmässig oder gelegentlich zur Wasserpfeife zu greifen. Damit sind die Shisha fast auf dem Niveau von Zigaretten angelangt.

Über die Auswirkungen des Wasserpfeifenrauchens gibt es erst wenige wissenschaftlich Untersuchungen. Die Lungenliga ist allerdings besorgt. «Wasserpfeifen sind genauso schädlich wie Zigaretten», sagt Sprecherin Barbara Weber. Im Tabak-Rauch seien schon 70 krebserregende Stoffe nachgewiesen worden. Zudem seien die Verbrennungstemperaturen bei der Wasserpfeife tiefer als bei der Zigarette. Statt bei 900 Grad verglimmt der Tabak in der Wasserpfeife nur bei etwa 400 bis 500 Grad. Dadurch würden weniger Giftstoffe verbrannt.

«Das Rauchen einer Wasserpfeife dauert ungefähr 45 bis 60 Minuten, viel länger als bei der Zigarette», sagt Weber. In dieser Zeit werde mindestens hundertmal mehr Tabakrauch inhaliert als bei einer Zigaretten-Pause. Hinzu komme der süsslich-schwere Rauch, der weniger im Hals kratzt und deshalb unter Jugendlichen beliebt sei. Zu den Favoriten zählen Geschmäcker wie Apfel, Vanille oder Pfefferminz. «Es ist wie mit den Alcopops beim Alkohol», sagt Weber. «Sie schmecken vor allem süss, wodurch die Gefahren des Konsums unterschätzt werden.»

Wie beliebt die Shishas heute sind, zeigt sich auch beim Projekt «Rauchfreie Lehre» der Lungenliga. An den Berufsschulen würden viele Jugendliche dem Vorhaben einen Korb geben – nicht weil sie Zigaretten rauchen würden, sondern weil sie regelmässig eine Wasserpfeife anzünden.

Nur durch einen gestiegenen Konsum lässt sich die Verdreifachung des Imports allerdings nicht erklären. Ein Teil des Wasserpfeifen-Tabaks dürfte ins Ausland gelangen, sagt Michael Bigler von der Sektion Tabak- und Bierbesteuerung bei der Oberzolldirektion. Weil unsere Nachbarländer eine höhere Steuerbelastung beim Wasserpfeifen-Tabak hätten und dort teilweise striktere Regeln für den Import gelten, werde die Schweiz wohl auch als Zwischenstation genutzt. Die Grenzwerte für gefährliche Feuchthaltemittel sind bei uns fast so hoch wie im arabischen Raum.

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