VON MARTIN MEIER

Es sind Bilder des Schreckens. Umgekippte Bahnwagen, schreiende, teilweise blutüberströmte Menschen. Ein Heer von Helfern kümmert sich um die Dutzende von Verwundeten. Neun davon sind schwer verletzt. Zwei schweben noch in Lebensgefahr. Für eine 64-jährige Japanerin kommt jede Hilfe zu spät.

«Ich war betroffen und schockiert, als ich an der Unfallstelle eintraf», sagt Willi In Albon, Direktionsmitglied der Matterhorn-Gotthard-Bahn. «Andererseits war ich aber auch froh, dass die Retter schnell vor Ort waren. Das half mir über das Schlimmste hinweg.» Im Einsatz standen 9 Rettungshelis, 15 Ärzte, 60 Sanitäter und Samariter. Hinzu kamen 40 Polizisten und 70 Feuerwehrmänner.

Die Matterhorn-Gotthard-Bahn durchläuft derzeit eine wahre Pechsträhne:
Im vergangenen November verschüttet am Oberalppass eine Nassschneelawine einen Zug der Bahn und drückt ihn aus den Schienen. Zwei der neun Passagiere werden verletzt.

Im vergangenen Februar fährt ein Zug der Matterhorn-Gotthard-Bahn zwischen Brig und Zermatt auf einen stehenden Zug auf und bringt diesen zum Entgleisen. Sechs Personen werden verletzt.

Wenige Tage vor dem Zugunglück im Oberwallis sitzen zwischen Göschenen und Andermatt fünfzig Passagiere in einem Tunnel fest. Zwischen zwei Wagen löst sich das Steuerungskabel. Es fällt auf die Gleise, der Zug fährt darüber. Nichts geht mehr. Die Passagiere müssen fast eine Stunde ausharren. Eine Evakuierung ist nicht möglich. Die rettende Strasse durch die Schöllenenschlucht ist für die Zuggäste nicht erreichbar.

Sicherheitsmängel will Willi In Albon nicht gelten lassen. «Wir sind eine sichere Bahn.» Der Zug habe die Unfallstelle mit 35 Stundenkilometer passiert. «Mehr ist dort nicht erlaubt.» Der Eisenbahnerverband stellt der Bahn ein gutes Zeugnis aus. «Sie gilt als modern. Da wird im technischen Bereich nicht gespart.» Kein Problem sieht Moor darin, dass ab heute die Unfallstrecke wieder befahren wird. Obwohl die Unfallursache noch nicht geklärt ist. «Es müssen ja nur zwei Sachen untersucht werden. Stimmt die Gleisgeometrie und hält der Untergrund.»

Was liess den Glacier Express entgleisen? Noch weiss es niemand. «Derzeit sind Spezialisten der Unfalluntersuchungsstelle Bahnen und Schiffe daran, die Unfallursache zu klären», sagt Bahnsprecher Helmut Biner.

«Der Unfallbericht geht dann an das Untersuchungsrichteramt Oberwallis», erklärt Jean-Marie Bornet, Informationschef der Walliser Kantonspolizei. Letztlich werden die Richter entscheiden, ob bei menschlichem Versagen eine Untersuchung wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung eingeleitet wird.

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