Von Yannick Nock und Christoph Bernet

Die Plaine de Plainpalais in Genf ist einer der grössten öffentlichen Plätze Europas – und wird in zwei Wochen von einem rot-weissen Meer verschluckt. Bis zu 10 000 Fussballfans erwarten die Veranstalter des Public Viewing zum ersten Spiel der Schweizer Nati an der Europameisterschaft in Frankreich. Das stellt die Veranstalter vor Probleme. «Grosse Menschenmassen sind immer ein Risiko», sagt der Genfer Sicherheitsdirektor Pierre Maudet. «Wir müssen den Raum unter besondere Bewachung stellen.»

Es werden mehr Sicherheitskräfte und Rettungsdienste vor Ort sein als bei früheren Veranstaltungen. Zudem soll die Polizei gut sichtbar bleiben. «Damit wollen wir der Unsicherheit entgegenwirken, die seit den Anschlägen in Paris und Brüssel herrscht», sagt Maudet. Auch die Grenzkontrollen werden intensiviert. Genf sei als Heimat der UNO und Stadt der Freiheit eine Zielscheibe für radikale Kreise.

Bereits im Dezember sorgte die Jagd nach mutmasslichen Terroristen in Genf landesweit für Schlagzeilen. Die Terrorwarnstufe wurde während Wochen erhöht. Die EM ist für die Stadt eine neue Herausforderung, weil sie vier Wochen dauert und zeitlich mit Stadtfesten und den Sommerferien zusammenfällt. Für das Public Viewing sind Risikospiele entscheidend, zu denen es im Verlauf des Turniers kommen kann. «Wenn Mannschaften wie England spielen, müssen wir noch intensiver kontrollieren», sagt Maudet. Die Stadt wird deshalb sogenannte Spotter einsetzen, Polizisten, die sich in der Hooligan-Szene auskennen.

Auch in anderen Städten ist die Terrorgefahr Thema. Bei der Vögele-Arena in Chur sind Personal und Kosten im Sicherheitsbereich gegenüber der Weltmeisterschaft 2014 um 25 Prozent gestiegen. Je nach Affiche seien zwischen 8 und 16 Personen ausschliesslich für Sicherheit und Eingangskontrolle im Einsatz, sagt OK-Präsident Ivo Frei. Jede Tasche werde durchsucht. Auch bei der Winti-Arena hat man gemeinsam mit der Polizei eine Risikoanalyse gemacht. Im Gegensatz zu Chur setzen die Organisatoren in Winterthur zusätzlich auf Videoüberwachung, die das ganze Areal fast lückenlos filmt.

Zäune um Fanzonen
Eines der grössten Public Viewings wird in der Zürcher Maag-Halle stattfinden, wo ansonsten Musiker auftreten. Als Location-Betreiber sei man sehr sensibilisiert und das Thema Sicherheit stehe zuoberst auf der Prioritätenliste, sagt Geschäftsführer Philipp Musshafen. Die Terroranschläge in Europa seien bei allen Veranstaltungen im Hinterkopf: «Seit Paris schauen wir noch genauer.» Taschen und Gepäck würden sorgfältiger kontrolliert als bei der WM 2014. Zu einem Zwischenfall sei es nie gekommen. Dennoch müsse man realistisch bleiben: «Die hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht.»

Ähnlich klingt es bei den Polizeikorps, die sich ebenfalls auf Public Viewings vorbereiten. Die veränderte Sicherheitslage in Europa fliesse in die Lagebeurteilung ein, sagt Roland Pfister von der Kantonspolizei Aargau. Es gebe aber keine Hinweise auf eine konkrete Gefahr. Die St. Galler Polizei spürt bei Grossveranstaltungen jedoch eine allgemeine Verunsicherung und hat reagiert. «Wir setzen vermehrt auf uniformierte Polizisten vor Ort, die für die Besucher sichtbar sind», sagt Dionys Widmer von der Stadtpolizei. Auch die Kantonspolizei Bern gibt an, die Lage laufend zu prüfen.

Einen Schritt weiter geht Frankreich. Dort erhalten die Fanzonen besonderen Schutz. Sie werden eingezäunt und kontrolliert – und sind damit auf einem ähnlichen Niveau wie die Stadien. «Die Städte waren anfangs wegen der hohen Kosten nicht sehr glücklich darüber, aber jetzt ist alles geregelt», sagt Uefa-Turnierdirektor Martin Kallen (siehe Interview links). Die Nati hat ebenfalls auf die Terrorgefahr reagiert, wie der Schweizerische Fussballverband (SFV) kürzlich mitteilte. Die Stars stehen unter ständigem Polizeischutz. Wie viele Beamte das Team begleiten, gibt der Verband nicht bekannt.

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