In San Francisco gibt es ein Zeitalter vor und nach Uber. Eine vierzigjährige Geschäftsfrau aus dem Westen der Stadt erzählt, wie es früher war. Für Taxifahrer sei eine Leerfahrt an den Stadtrand zu wenig lukrativ gewesen. «Sogar wenn ich ein Flughafentaxi Tage im Voraus reserviert hatte, kam es vor, dass es nie vorfuhr.» Manche Taxifahrer kehrten auf dem Hinweg um, wenn ihnen am Strassenrand ein anderer Kunde zuwinkte. Der öffentliche Verkehr komme für eine Fahrt ins Stadtzentrum nicht infrage. Die Busse verkehren unzuverlässig. Manche haben nicht einmal einen Fahrplan.

«Uber ist das Beste, was San Francisco passieren konnte», sagt die Frau. Der günstigere Preis spielt für sie keine Rolle. Sie bestellt täglich via App ein Auto des Fahrdienstes, weil der Service besser ist. Ein Uber-Fahrer kann sich keine schlechte Laune leisten. Sonst verpassen ihm die Kunden mit einem Klick eine schlechte Bewertung.

Der Untergang des Taxikartells
Die Taxifahrer von San Francisco konnten mit ihrem schlechten Ruf gut leben. Die Stadt sorgte mit hohen Gebühren und einer Limitierung der Lizenzen für ein Unterangebot. Für Chauffeure, die eine Taxilizenz ergattern konnten, herrschten paradiesische Zustände. Ein Taxifahrer berichtet: «Früher fuhr ich durch die Strassen von San Francisco, und überall winkten mir die Leute zu und riefen ‹Taxi!›.» Heute steht er am Strassenrand neben seinem leeren Wagen und ruft den Leuten «Taxi!» zu. Um auf den gleichen Lohn wie früher zu kommen, arbeite er zwölf statt sieben Stunden pro Tag. Um am Flughafen einen Kunden zu finden, warte er drei Stunden statt dreissig Minuten.

Disruption, das Zauberwort des Silicon Valley, bedeutet für Uber: Die neue Technologie hat die Mobilität in San Francisco revolutioniert, weil sie viel besser ist als das bestehende Angebot und einiges günstiger. Wie andere Techfirmen hat Uber den Lebensalltag in San Francisco verändert. Im Unterschied zu Google oder Facebook ist Uber weltweit aber nicht nur virtuell, sondern auch physisch präsent.

In San Francisco ist Uber mehr als eine Alternative zu Taxis. Der Taximarkt der Stadt wurde bei der Gründung von Uber vor sieben Jahren auf 140 Millionen Dollar geschätzt. Uber soll mittlerweile das Fünffache erreicht haben. Die Hälfte aller Uber-Fahrten in San Francisco wird über den neusten Uber-Dienst «Carpool» abgewickelt. Die Fahrzeuge werden mit mehreren Kunden gefüllt, die leichte Umwege in Kauf nehmen. Auch Pendler werden zu Chauffeuren: Sie nehmen auf dem Arbeitsweg Uber-Kunden mit. So verdienen sie Geld und können die für Carpools reservierte Spur auf der Autobahn benützen. Das Angebot soll auch in der Schweiz lanciert werden.

Das nächste Uber-Zeitalter
Der Markt hat in San Francisco ein Staatsversagen gelöst. In Zürich oder Basel wächst Uber nicht nur wegen juristischer Probleme langsamer als in San Francisco. In der Schweiz ist das Potenzial kleiner, weil die Konkurrenz besser ist. Der öV funktioniert, und die Taxis kommen zur vereinbarten Zeit. Spätestens mit den nächsten Entwicklungsschritten wird Uber auch den Alltag in der Schweiz stärker prägen. Paris und London sind die ersten europäischen Städte, in denen Uber auch Essenslieferungen anbietet. Weitere Transportangebote von Blumen bis zu Paketen sind in Vorbereitung.

In der Uber-Zentrale in San Francisco werden noch viel grössere Pläne geschmiedet. Sobald selbstfahrende Autos im Verkehr sind, will Uber in diesen Markt einsteigen. Privatpersonen und Firmen sollen selbstfahrende Autos für Uber als rollende Geldmaschinen durch die Städte kurven lassen. Im Silicon Valley ist man optimistisch: Schon in fünf Jahren soll der Schritt in das nächste Uber-Zeitalter erfolgen.

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