SBB-Chef Andreas Meyer liess diese Woche in mehreren Interviews offen, ob es im Dezember zu einem Tarifaufschlag kommt. Doch über die Preise entscheiden nicht allein die SBB, sondern die im Verband öffentlicher Verkehr (VöV) zusammengeschlossenen Transportbetriebe. Und im Verband scheint klar: Preiserhöhungen sind unumgänglich.

VöV-Direktor Ueli Stückelberger: «Eine generelle Nullrunde ist sehr unwahrscheinlich.» Bei Einzelbilletts sind spürbare Aufschläge indes kaum mehr möglich. Ein SBB-Kadermann begründet es so: «Beim allgemeinen Tarif sind wir allmählich an der Grenze des Verkraftbaren.»

Angesetzt werden soll stattdessen bei den Abonnements, die insbesondere für Vielfahrer als «günstig» gelten. Das Halbtax-Abo kostet zurzeit 175 Franken für ein Jahr. Statt seltener, dafür happiger Aufschläge, wie in der Vergangenheit üblich, soll es künftig regelmässige, dafür weniger starke Erhöhungen geben. Ein Preisanstieg auf 185 oder gar 195 Franken scheint wahrscheinlich – entschieden wird im VöV bereits Ende April. Direktor Stückelberger sagt dazu nur: «Eine Preiserhöhung beim Halbtax ist kein Tabu.» Der Preisüberwacher muss dann noch sein Plazet geben.

Das Halbtax ist das beliebteste Abo. 2,3 Millionen Schweizer besitzen eines. Aber die Nachfrage ist preisempfindlich: Bei Aufschlägen sind die Verkäufe jeweils gesunken. Anders beim Generalabo, von dem 441 000 im Umlauf sind und das für die zweite Klasse zurzeit 3560 Franken kostet.

In der Vergangenheit schluckten die Kunden auch happige Preiserhöhungen. Die Verkäufe stiegen dennoch an. Deshalb dürfte dieses Abo überdurchschnittlich stark erhöht werden. Die Preiskurve ist eindrücklich: 1986 kostete das 2.-Klass-GA 2050 Franken, 1993 waren es 2500 Franken, 1999 bereits 2800 Franken und 2007 dann 3100 Franken.

So gut wie sicher sind Tariferhöhungen beim grössten Verkehrsverbund der Schweiz, dem ZVV in Zürich. Er ist wie die anderen Verbünde nicht an die VöV-Vorgaben gebunden. ZVV-Direktor Franz Kagerbauer sagt: «Wir verfolgen bei den Tarifanpassungen die Politik ‹mässig, aber regelmässig›.» Da es Ende 2012 die letzte Tariferhöhung gab, ist die nächste im kommenden Dezember zu erwarten.

Der VöV legt die Tarife jeweils aufgrund der «Abgeltungslücke» fest, die entsteht, wenn die Abgeltungen von Kantonen und Bund nicht ausreichen, um das Fahrplanangebot zu finanzieren. Gemäss Recherchen beläuft sich diese Lücke inzwischen auf 90 Millionen Franken. Folglich müsste der VöV im April Tariferhöhungen in diesem Umfang beschliessen, um die Rechnungen der Transportunternehmen im Lot zu halten.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper