Der Blog nennt sich «Caragua Beach». Offenherzig und mit Fotos präsentiert sich dort unter dem Titel: «Tony Miranda, Tony’s Parties, Tony’s Haus», der brasilianische Mann von Johannes Matyassy, dem Schweizer Botschafter in Argentinien.

Das Leben als Diplomat sei nicht immer einfach. Er trage eine grosse Verantwortung und sei eine Person des öffentlichen Lebens, die an diversen Veranstaltungen teilnehme. Dazu gehören Repräsentationspflichten, bei denen man gut aussehen muss. Wenn man Tony so reden hört, könnte man meinen, er sei der Botschafter und nicht sein um 28 Jahre älterer Mann Johannes Matyassy.

Weiter erfährt man auf dem Blog, dass der junge Brasilianer , der mit richtigem Namen Otoniel Miranda De Alvarenga heisst, weit gereist ist. Zudem habe er im chinesischen Schanghai sowie in der Schweiz studiert. Und trotz seinem glamourösen Leben als Diplomat besitze er ein Herz aus Diamanten.

Der Blog ist zahlreich bebildert: Tony im Meer von Dubai, Tony in den Bergen, Tony in der Schweizer Botschaft am gedeckten Tisch. Seine Verwandlungskünste auf den Blog-Fotos und auf seinem Facebook-Account sind auffällig. Mal ist er blond oder braun gelockt, ein anderes Mal brav gescheitelt. Dabei sind auch Fotos, die nicht so ganz zu einem diskreten und seriösen Diplomatenleben passen.





Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA sagt dazu auf Anfrage: «Wir empfehlen unseren Mitarbeitern eine gewisse Zurückhaltung beim privaten Gebrauch von sozialen Medien. Das gelte auch für die Mitglieder ihrer Familie.» Diese Empfehlung scheint mittlerweile auch in Argentinien angekommen zu sein. Der Blog und der Bericht über den Mann von Botschafter Matyassy wurden gelöscht und sind nicht mehr abrufbar.

Erstaunen über das angeblich nicht immer einfache Diplomatenleben von Tony Miranda kommt auf, wenn man auf dem Blog erfährt, dass er 2012 mit dem privaten Diplomatenauto von Buenos Aires in sein Heimatland Brasilien fuhr. Dreissig Stunden habe die Fahrt gedauert, schwärmt der Blogger über den jungen Diplomatengatten. In Brasilien amüsierte er sich an seinem Heimatstrand, eben dem Caragua Beach, genoss das Meer und lange Spaziergänge mit Freunden.

Nach der «Schweiz am Sonntag» vorliegenden Informationen soll Tony Miranda in Buenos Aires auch ausgiebig das Nachtleben genossen haben. Dieses hat den Ruf, eines der wildesten und lebendigsten der Welt zu sein.

Es war der Morgen des 11. Juni 2013, der für das Paar weitreichende Folgen haben sollte und ihren Traum eines Diplomatenlebens in Buenos Aires zerstörte. Um 7.30 Uhr erhält Botschafter Matyassy einen Anruf von seinem Ehemann. Der junge Brasilianer hat einen 14-jährigen Knaben angefahren. Der wurde bei dem Unfall nicht allzu schwer verletzt. Matyassy meldet sich noch am selben Tag bei der Mutter, um sich zu entschuldigen. Diese wollte aber vor allem Schadenersatz. Man konnte sich nicht einigen, und der neue Anwalt der Mutter informierte diese Woche die Medien.

Dabei wurden auch Vorwürfe laut, dass Tony Miranda alkoholisiert gewesen sei und Fahrerflucht begehen wollte. Dies wird von Matyassy vehement dementiert. Da sein Mann einen Diplomatenpass besitzt, geniesst er Immunität. Ein Alkoholtest wurde deshalb nicht gemacht. Laut EDA hat Argentinien Tony Miranda durch die Ehe mit Matyassy, der zuvor mit einer Frau verheiratet war, als Familienmitglied anerkannt. Er geniesse deshalb den gleichen Status wie sein Mann.

Der Unfall bleibt dennoch nicht ohne Folgen. Matyassy, der als Generalsekretär der FDP Schweiz und später als Chef von Präsenz Schweiz immer wieder im Rampenlicht stand, kehrt diesen Sommer in die Schweiz zurück. Er wird Leiter der Abteilung Asien und Pazifik in der politischen Direktion.

Das EDA sagt, dass die Versetzung keinen Zusammenhang mit dem Unfall hat und dem üblichen Rotationszyklus entspricht. Eine Sprachregelung, die das EDA so ähnlich bei anderen Versetzungen von Diplomaten oder ihrer Ehepartner, die in Autounfälle verwickelt waren, geäussert hat.

Damit kehrt das Diplomatenpaar, über dessen Homo-Ehe man erst aus den argentinischen Medien erfuhr, in seine alte Heimat zurück. Vor der Abreise 2011 nach Buenos Aires lebten sie zusammen in Gümligen BE.

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