VON NADJA PASTEGA

Wie ist die Erde entstanden? An der Privatschule Salta – Abkürzung für «Schulalternative Aargau/Solothurn» – steht neben der Evolutionstheorie auch die biblische Schöpfungs-heorie auf dem Lehrplan. Offenbar als gleichwertige Variante.

An der Schule werden die Kindergärtler und Primarschüler nach christlichen Werten unterrichtet. Der Schulbetrieb soll am 10. August starten, 25 Anmeldungen liegen vor. Ein Drittel der Schüler kommen aus dem Kanton Solothurn, zwei Drittel aus dem Aargau.

Ursprünglich hätte die Privatschule in der Freien Christen-gemeinde Aarau eröffnet werden sollen. Wegen unterschiedlicher Zielsetzungen wurde nun umdisponiert: Salta wird in das Gewerbehaus der ehemaligen Urmax in Gränichen einziehen, wo eine Etage angemietet wurde.

Die christliche Fundi-Schule, die Glaube und Wissenschaft gleichstellt, stösst bei Fachleuten auf Kritik: «Es ist höchst bedenklich, wenn solche Schulen bewilligt werden», sagt Frank Worbs, Leiter Kommunikation bei der Reformierten Landeskirche Aargau. Die Kinder würden in einem «engen Umfeld» aufwachsen.

Die Schöpfungsgeschichte sei «kein inhaltlicher Schwerpunkt», wiegelt man bei Salta ab. Man unterrichte den Schöpfungsglauben so, wie das auch im Rahmen des Religionsunterrichts an der Volksschule gemacht werde. Doch im kantonalen Volksschullehrplan für das Fach «Ethik und Religion» ist die Schöpfungsgeschichte nicht enthalten.

Neben dem schulischen Religionsunterricht gibt es im Kanton Aargau einen kirchlichen Religionsunterricht. Dieser findet zwar in den Räumen der Volksschule statt, ist aber von den Kirchen finanziert: «Im kirchlichen Religionsunterricht ist die Schöpfungsgeschichte zwar ein Thema, genauso wie die Arche Noah. Aber nicht als Erklärung für die Entstehung der Welt», sagt Fachmann Worbs.

Auch Politiker sind alarmiert. Die Jungsozialisten (Juso) wollen unter der Leitung von Cédric Wermuth und des Aargauer SP-Präsidenten Marco Hardmeier im Grossrat mit einer Interpellation aktiv werden.

Derzeit wartet Salta auf die Bewilligung vom Erziehungsrat des Kantons Aargau. Das Gesuch ist in Prüfung. Wie es beim Bildungsdepartement BKS auf Anfrage heisst, ist bereits klar: «Die Bewilligung wird erteilt.»

Offiziell lautet die Sprachregelung anders: «Wenn die Auflagen für die Erteilung der Bewilligung in Bezug auf die Bildungsziele, den Lehrplan, die Ausbildung der Lehrkräfte und die räumlichen Anforderungen erfüllt sind, so entscheidet der Erziehungsrat in seiner Sitzung von Mitte Mai 2009 über die Erteilung der Bewilligung.»