Die Journalistin A. S. hatte es nicht nur auf Showgrössen wie Karl Dall, Udo Jürgens, Hausi Leutenegger oder Beat Schlatter abgesehen. Die mutmassliche Stalkerin (43) aus Solothurn stellte, wie Recherchen der «Schweiz am Sonntag» zeigen, auch prominenten Schweizer Politikern nach.

Beispielsweise dem bekannten Glarner Ständerat This Jenny (SVP). «Auch ich war ein Opfer dieser Person», bestätigt der Bauunternehmer und findet wenig schmeichelhafte Worte für die angebliche Stalkerin.

Die Frau habe sich vor vier oder fünf Jahren als Journalistin bei ihm gemeldet, um einen Termin in Bern gebeten, erinnert sich Jenny. «Das war nichts Aussergewöhnliches, als Politiker hat man immer wieder solche Anfragen, und ich willigte ein».

Doch beim Treffen kam ihm die «Frau schnell suspekt vor», erinnert sich der 61-jährige Ständerat. Denn die Dame habe behauptet, sie sei von einem anderen Politiker vergewaltigt worden. Zudem sei schnell ersichtlich geworden, was die Frau von ihm wollte. «Sie wollte Sex», sagt Jenny.

Die Frau habe dann immer wieder telefoniert. Eines Tages stand sie sogar in Jennys Hotel, in der Berner Nobelunterkunft «Bellevue», und begehrte Einlass beim Ständerat. «Da schaltete ich meinen Anwalt ein. Erst danach hatte ich Ruhe», erzählt der Glarner SVP-Politiker, der seine politische Karriere Ende Legislatur beenden will.

Er ist nicht der einzige SVP-Bundespolitiker, der es mit der Frau zu tun bekam. Opfer der Stalkerin wurde auch Hansjörg Walter, der Nationalratspräsident des Jahres 2012. Der Thurgauer Nationalrat bestätigt, dass die Frau es auch auf ihn abgesehen hatte. Heute mag der Mann, der 2008 und 2011 beinahe Bundesrat geworden wäre und bis 2012 den Schweizerischen Bauernverband präsidierte, nicht mehr über die schlimme Sache reden, die einige Jahre vor seinem Nationalratspräsidium passierte: «Ich habe damit abgeschlossen. Ich war froh, als es vorbei war».

Auch Hansjörg Walter musste einen Anwalt einschalten, um sich die aufsässige Frau vom Leib zu halten. Walter sagt, dass exponierten Personen wie Politikern solche und andere unangenehme Dinge halt passieren könnten.

In Bern ist zu hören, dass die beiden SVP-Politiker im Bundeshaus nicht die einzigen Opfer der Stalkerin waren. Es gibt dem Vernehmen nach mindestens einen weiteren Betroffenen.

Der Fall der freischaffenden Journalistin flog auf, nachdem sie den deutschen Comedian Karl Dall (72) wegen angeblicher Vergewaltigung in einem Zürcher Hotel anzeigte. Dall, der deswegen mehrere Tage in Untersuchungshaft sass, gab danach zu Protokoll, die Frau sei eine Stalkerin. Darauf wurden weitere prominente Opfer aus der Unterhaltungsbranche bekannt.

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