In den letzten zwei Monaten beschwerten sich etliche Kunden bei Comparis, weil sie solche unerwünschte Werbeanrufe erhalten hatten. Die Callcenter gehen immer gleich vor: Ein oft mit starkem Akzent sprechender Mitarbeiter «von Comparis» behauptet, er biete gratis eine Beratung an, um «die Krankenkassenprämien zu optimieren». Was die meisten Kunden nicht wissen: Diese Beratungstermine werden dann an Makler oder direkt an die Krankenkassen verkauft. In der Branche spricht man von 100 Franken pro vermitteltem Termin. Wiederholt wurden auch Kunden belästigt, die mit einem Sterneintrag im Telefonbuch klargemacht hatten, dass sie keine Werbeanrufe wollen.

Den fehlbaren Callcentern drohen scharfe Sanktionen. Wer vorsätzlich unlauteren Wettbewerb begeht, wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe belegt. Wegen Werbeanrufen trotz Sterneintrags hat das Staatssekretariat für Wirtschaft bis heute 29 Gerichtsverfahren eingeleitet.

Den Hintermännern auf die Schliche zu kommen, ist aber schwierig. Das Display zeigt zwar eine Schweizer Nummer, doch oft stammen solche Anrufe aus dem Ausland.

Der Krankenkassenverband Santésuisse startet deshalb einen zweiten Anlauf, um dem Telefonterror einen Riegel zu schieben. Er hat im Juni eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die eine neue Branchenvereinbarung gegen unerwünschte Anrufe erarbeitet. Eine solche Vereinbarung hatte der Verband bereits 2011 in Kraft gesetzt. Auf Befehl der Wettbewerbskommission musste er sie jedoch im Februar wieder aufheben, unter anderem, weil eine gesetzliche Grundlage fehlte. Mittlerweile hat das Parlament im überarbeiteten Krankenversicherungsaufsichtsgesetz eine solche geschaffen. Es dürfte Mitte 2015 in Kraft treten.

In der Vereinbarung soll laut Santésuisse-Direktorin Verena Nold unter anderem festgehalten werden, dass keine Leute mit Sterneintrag angerufen werden dürfen. Das genüge nicht, sagt Felix Schneuwly. Er fordert, die Krankenkassen müssten allen Maklern und Callcentern klarmachen, dass sie die Zusammenarbeit sofort beenden, wenn nur ein einziger Fall von unsauberem Geschäftsgebaren bekannt wird.

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