Nächste Woche muss der Zürcher Jugendanwalt Hansueli Gürber der Justizkommission des Kantonsrates Rede und Antwort stehen. Grund: Er hatte das luxuriöse Sondersetting, inklusive Thaibox-Training, für den unter dem Namen «Carlos» bekannt gewordenen straffälligen Jugendlichen eingefädelt.

Thema wird wohl auch Gürbers neues Engagement sein. Wie Recherchen zeigen, ist der Jugendanwalt seit dem 6. Januar Verwaltungsrat in der Institution Projekt Perspektive AG in Zürich. Das belegt ein Eintrag im Handelsregister.

Die Organisation ist auf «Krisensituationen mittels begleiteter Fremdplatzierung» spezialisiert. Bei einer solchen Institution bekam auch «Carlos» sein Sondersetting. Brisant: Auftraggeber bei der Projekt Perspektive AG sind Sozialdienste, Vormundschaftsbehörden und vor allem Jugendanwaltschaften.

Dass Gürber gleichzeitig als Jugendanwalt und als Auftraggeber und -nehmer tätig ist, hat die Zürcher Justiz nicht gewusst. Und dies, obwohl Gürber seine Nebentätigkeit klar hätte melden sollen. «Weil die Gefahr von Inte-ressenkollisionen nicht von der Hand zu weisen ist, muss die vorgesetzte Behörde informiert werden», sagt Benjamin Tommer, Kommunikationsbeauftragter der Zürcher Justiz. Die Nebentätigkeit dürfe die amtliche Aufgabenerfüllung nicht beeinträchtigen und müsse mit der dienstlichen Stellung vereinbar sein. Aktuell hat die Zürcher Justiz drei Jugendliche bei der Projekt Perspektive AG untergebracht. Wie der strategische Leiter der Institution, Dölf Aebersold, beteuert, sei aber keiner der Jugendlichen von Hansueli Gürber direkt vermittelt worden. Die Oberjugendanwaltschaft will trotzdem «die Situation prüfen», wie Tommer sagt. Denn der Arbeitsvertrag von Gürber bei der Zürcher Justiz dauert noch bis im August 2014.

«Es ist üblich, dass Jugendanwälte in verschiedenen Gremien wie dem unsrigen Einsitz haben», sagt Aebersold. Deshalb habe er kein Problem gesehen, Gürber in der Firma Projekt Perspektive als Verwaltungsrat aufzunehmen. «Er hat ein sehr grosses Know-how in der Jugendarbeit.»

Fest steht wohl: Zur Ruhe wird sich der umtriebige Jugendanwalt nicht setzen. Bereits kündigte er an, er wolle sich in Botswana und Namibia als Reiseleiter engagieren. In Namibia befindet sich aber auch die Daktari-Farm, eine Reha-Farm für schwer erziehbare Jugendliche. Gürber sitzt seit 2007 im dazugehörenden Stiftungsrat. Ebenfalls ist er auch unter den Referenzen als auftraggebender Jugendanwalt aufgeführt.

Für eine Stellungnahme war er nicht erreichbar. Er hat von der Zürcher Justiz einen Maulkorb erhalten.

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