Am Mittwoch rührte UPC-Cablecom-Chef Eric Tveter mit der grossen Kelle an. In der Zürcher Eventhalle Aura am Paradeplatz stellte die Kabelnetzbetreiberin ihr neustes TV-Angebot MyPrime vor: eine Flatrate für Hollywood-Filme und -Serien als Konkurrenzprodukt zum US-Online-Portal Netflix, das noch dieses Jahr in der Schweiz startet. Moderiert wurde die glamouröse Pressekonferenz von Ex-Miss-Schweiz Melanie Winiger. Für das nötige Hollywood-Feeling stellte Cablecom mehrere mannshohe Oscar-Statuen auf.

Doch die goldenen Figuren des weltweit bedeutendsten Filmpreises bereiten der Cablecom ein rechtliches Nachspiel. Denn sie sind illegal. Die Academy of Motion Picture Arts and Sciences mit Sitz in Beverly Hills, die die Auszeichnung jedes Jahr in Hollywood verleiht, ist seit 1929 Inhaberin der Marken- und Urheberrechte des Oscars und macht seit Jahren Jagd auf solche Statuen. Cablecom-Sprecher Marc Maurer bestätigt, dass man von der Academy nach der Pressekonferenz kontaktiert wurde. «Wir analysieren zurzeit die Faktenlage.»

In der Schweiz wird die Academy seit zehn Jahren durch den Anwalt Daniel Marugg von der Zürcher Kanzlei Altenburger vertreten. Er hat bereits rund 80 solcher Statuen aufgespürt und vernichten lassen. Oft stehen die Statuen zur Dekoration in kleinen Kinos und Videotheken. «Dazu kommen tonnenweise kleine Plastikstatuen», sagt Marugg. Die Academy habe in fast jedem Land einen Anwalt für die Oscar-Jagd angestellt. «Früher oder später erwischen wir sie alle. Wir machen keinen Unterschied zwischen grossen und kleinen Rechtsverletzungen.» Noch nicht fündig wurde er bei der Suche nach der Oscar-Gussform, die Marugg in Osteuropa vermutet.

Der Anwalt geht auch gegen Firmen vor, die den Namen Oscar oder den Spruch «And the Oscar goes to ...» unrechtmässig verwenden, um Produkte zu bewerben. Nur weil man sich der rechtlichen Lage nicht bewusst sei, schütze dies nicht vor den Rechtsfolgen, sagt er. «Je nachdem, ob mit dem Oscar Geld verdient wurde, reichen wir auch eine Schadenersatzklage ein.» Ob dies bei der Cablecom der Fall ist, will er mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht sagen. Meistens komme es aber zu einer aussergerichtlichen Einigung. So verteilte beispielsweise die FDP in früheren Jahren einen «KMU-Oscar», den sie nach Intervention der Academy umtaufen musste.

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