Diese Woche zeigte der «Kassensturz» schockierende Bilder über Pferdetransporte und -Schlachthöfe in Argentinien, Mexiko, Kanada und den USA. Verletzte und schwache Tiere werden über Stunden in völlig überladenen Lastwagen transportiert. Die Tiere erhalten während der langen Fahrten weder Wasser noch Nahrung.

Ohne Schutz und Betreuung harren sie bis zu sechs Monate in sogenannten «Feedlots» bei den Schlachthöfen aus, bevor sie getötet werden.

Diese Sequenzen haben auch die Schweizer Behörden schockiert. Das Bundesamt für Veterinärwesen (BVET) hat den Tierschutzbund Zürich (TSB) zu Gesprächen eingeladen und will sich mit der EU-Kommission verständigen, denn die betroffenen Schlachthöfe sind EU-zertifiziert.

Rund 5000 Tonnen Pferdefleisch importiert die Schweiz jährlich. 2500 Tonnen davon stammen aus Kanada, 1000 aus Mexiko und 500 Tonnen aus Argentinien. Das Pferdefleisch gelangt über verschiedene Importeure nach Europa. Über Zwischenhändler wie «Rudolf Schär» oder «Skin Packing» gelangt das Fleisch zu den Abnehmern. Dies sind unter anderem hiesige Detailhändler wie Coop und Migros.

Nach dem die unhaltbaren Zustände publik wurden, nahm Coop die betroffenen Produkte umgehend aus dem Sortiment. Migros hält vorläufig am Verkauf von Pferdefleisch aus dem kanadischen Schlachthof Bouvry fest. «Es ist scheinheilig, die Produkte aus dem Regal zu nehmen und zu sagen, damit hat sich das Problem für uns erledigt», sagt Urs-Peter Näf, Mediensprecher der Migros.

In Kürze wird die Migros unangemeldete Kontrollen vor Ort durchführen und diese auch verschärfen. «Da das Pflichtenheft unserer Lieferanten die Tierhaltung und Schlachtung in Kanada, nicht aber den Transport in den USA, abdeckt, werden wir alles daransetzen, dies zu ändern.» Sollte dies nicht gelingen, zieht die Migros Konsequenzen und wird das Pferdefleisch aus dem nationalen Sortiment nehmen.

Auch der Tierschutz setzt seine Recherchen fort. «Und wir werden in der Schweiz, aber auch in Europa weiter Druck machen», sagt Sabrina Gurtner, Projektleiterin beim TSB. Bereits während des Projekts wandte sich der TSB an die Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) in Paris. Die OIE ist eine zwischenstaatliche Organisation mit dem allgemeinen Mandat, Tiergesundheit und Tierschutz zu verbessern. Sie kann aber für ihre 178 Mitgliedländer lediglich Richtlinien und keine Gesetze erlassen.

Die Schweiz ist mit dem Direktor des Bundesamtes für Veterinärwesen, Hans Wyss, in der OIE vertreten. «Ich werde auf bilateralem Weg mit dem Direktor der OIE, Bernard Vallat, das Problem ansprechen und ihn um Unterstützung bitten», verspricht Wyss. Der Tierschutz müsse international mehr Gewicht finden und es müsse insbesondere für das Problem der internationalen Transporte nach Lösungen gesucht werden. Wyss bleibt aber realistisch: «Viele Mitgliedländer haben weit grundlegendere Probleme als den Tierschutz.» Ob die Mitgliedländer zu einem Umdenken bereit sind, wird sich im Mai zeigen, wenn die OIE in Paris tagt.

GLP-Nationalrätin Isabelle Chevalley sowie die grüne Fraktion wollen in der kommenden Session die Herkunftsnachweise auf Fertigprodukte ausweiten. Es soll ersichtlich werden, unter welchen Bedingungen die Tiere lebten.

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