Die Sihl ist kein schöner Fluss, zumindest nicht auf dem Gebiet der Stadt Zürich. Seit den 70er-Jahren stehen die Beton-Pfeiler der Sihlhochstrasse mitten im Gewässer. Der Autobahnanschluss ist Stückwerk grösserer Pläne eines «Expressstrassen-Y», das die A 3 im Süden und die A 1 im Norden und Westen der Stadt hätte verbinden sollen.

Das Autobahnkreuz mitten in der Stadt wurde nie gebaut. Ganz aufgeben wollte der Kanton Zürich die Autobahn durch sein Zentrum aber nie – und setzte auf unterirdische Pläne. Das Projekt eines Stadttunnels und eines weiteren Tunnels unter dem Adlisberg steht im Richtplan des Kantons nach wie vor an vorderster Stelle. «Kurzfristig, primär weiter zu verfolgendes Vorhaben», heisst es in den Unterlagen des Kantons.

Wahrscheinlich schien die Realisierung allerdings nie. Und nun will der Bund die Strassenträume wissenschaftlich beglaubigt beerdigen.

Diese Woche genehmigte Bern den neuen kantonalen Richtplan. Bei den Strassenprojekten meldete das Bundesamt für Strassen (Astra) aber Zweifel an. Das Astra stellt die Zweckmässigkeit der Tunnel-Pläne infrage – und hat nun eine Studie in Auftrag gegeben.

Im sogenannten Netzbeschluss der Nationalstrassen ist das «Y»-Projekt als Verbindung der A 1 und der A 3 eingetragen. Diese wurde allerdings mit dem 2009 neu eröffneten Üetlibergtunnel und der Westumfahrung mittlerweile anderweitig realisiert. Der Bund fragt sich deshalb, ob eine weitere Verbindung überhaupt noch nötig ist. «Die Verkehrs- und die Siedlungsentwicklung führten zu einer Umfahrungslösung der Nationalstrassen im Raum Zürich», sagt Astra-Sprecher Thomas Rohrbach. «Wie weit das Y überhaupt verbunden werden soll und kann, soll die Studie aufzeigen.»

Tatsächlich hat die neue Westumfahrung automobilen Druck von der Stadt genommen. Während 2004 noch 67 000 Autos täglich über die Hardbrücke durch die Stadt fuhren, werden heute auf der Durchgangsachse noch etwa 56 000 Autos gezählt. Der Anteil der Autofahrer, die von der A 1 auf die A 3 fahren und umgekehrt, ist dabei minim. An der Zählstelle Rosengartenstrasse wurde bei Stichproben im Auftrag der Stadt Zürich ein Durchgangsverkehrsanteil von ungefähr 6 Prozent erhoben. Selbst davon ist nur ein Teil Ausweichverkehr der Nord- und Westumfahrung.

Entsprechend gelassen reagiert der Kanton Zürich auf die neuerlichen Zweifel des Bundes an seinen Autobahn-Projekten. Der Kanton Zürich begrüsse das Vorgehen des Bundes, sagt Markus Gerber, Sprecher der Volkswirtschaftsdirektion. «Eine solche Studie könnte Klarheit über das künftige Nationalstrassennetz im Raum Zürich schaffen.» Mit einem Richtplaneintrag werde der Raum für ein eventuell späteres Projekt gesichert, sagt er. «In der Region Zürich gibt es inzwischen zahlreiche solche Einträge. Es kann auch sein, dass ein solcher Eintrag wieder gelöscht wird.»

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