Von Patrik Müller und Christian Dorer

Die Autoindustrie steht vor dem Durchbruch: Alle grossen Hersteller forschen an Autos, die nicht mehr vom Menschen, sondern vom Computer gesteuert werden. Die Industrie sei «in wenigen Jahren bereit», sagt Morten Hannesbo, Chef der Amag (u. a. VW und Audi). Doch heute verunmöglicht das Verkehrsrecht selbstfahrende Autos: Das Gesetz verlangt, dass der Führer «das Fahrzeug ständig beherrschen» muss und das Lenkrad «nicht loslassen» darf.

Diese Vorschrift könnte bald aufgeweicht werden. Beim Bundesamt für Strassen (Astra) heisst es auf Anfrage: «Das Astra überprüft aktuell, ob und inwiefern das geltende Recht angepasst werden muss im Hinblick auf die weitere Entwicklung der Assistenzsysteme, die immer mehr Fahrerfunktionen übernehmen.» Es gehe um Fragen der Haftpflicht und der Ausbildung der Fahrer.

Noch verhindert das Wiener Übereinkommen über den Strassenverkehr, an das die Schweiz gebunden ist, eine «Legalisierung» des automatisierten Fahrens. Doch das Abkommen wurde soeben revidiert und tritt voraussichtlich 2016 in Kraft; es würde eine Anpassung der nationalen Gesetzgebung an die neuen Technologien ermöglichen.

Verkehrsministerin Doris Leuthard zeigt sich gegenüber dem «smart drive» aufgeschlossen. Sie sagt zwar: «Es müssen Fragen der Sicherheit, der Haftung und der Verkehrsregeln geklärt werden.» Aber: «Was in den USA demonstriert wurde, sollte doch auch in Europa möglich sein.» Leuthard regt eine Teststrecke an.

Ford-Schweiz-Chef Paul Fratter wünscht sich, dass die Schweiz bei der Gesetzgebung vorangeht: «Sie könnte eine Pionierrolle übernehmen.» Offen ist auch der TCS-Vizepräsident Thierry Burkart: «Das ist ein wichtiges Zukunftsthema.» Allerdings müsse die Sicherheit im Vordergrund stehen und bei selbstfahrenden Autos müsse die Haftung beim Hersteller und nicht mehr beim Führer liegen.

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