«Switzerland makes history». So titelte das Weltblatt «Financial Times» letzte Woche. Der Grund: Die Eidgenossenschaft gab eine zehnjährige Anleihe zu einem Negativzins heraus. Das ist weltweit einmalig.

«Die tiefen Zinsen bieten enorme Möglichkeiten, wenn man sie richtig nutzt», sagt Oswald Grübel. Laut dem ehemaligen UBS-Chef bietet sich der Schweiz eine «einmalige Chance». Für den Bund würde es sich lohnen, kostenlos Geld aufzunehmen und in Infrastruktur zu investieren.

Er regt an, dass der Bund spezielle «Staatsgesellschaften» gründet. «Diese Zweckgesellschaften würden über eine Staatsgarantie verfügen und könnten Gelder zu null Prozent aufnehmen.» Diese Gelder müssten in Projekte investiert werden, die eine Rendite abwerfen, damit die Rückzahlung der Gelder nach 10 oder 15 Jahren garantiert wäre. Leonhard Fischer, CEO der Bank BHF Kleinwort Benson und früherer Chef der Winterthur, würde die Chance sofort beim Schopf packen und Projekte anreissen. «Alles, was man sowieso einmal tun muss oder sollte. Das ist der Zeitpunkt, es geht kaum besser. Wenn man negative Zinsen geboten bekommt, ist sparen nicht besonders vernünftig.»

Grübel sagt: «Wäre ich Politiker, würde ich mir darüber Gedanken machen.» In der Politik ist dieses Thema aber «nahezu ein Tabu». Man traue sich nicht, darüber zu sprechen.

Serge Gaillard, Direktor der Finanzverwaltung, sagt im Interview: «Das sind interessante Diskussionen. Sie werden aufgrund von Vorstössen auch bald im Parlament diskutiert.» CVP-Ständerat Konrad Graber schlägt in einem Postulat vor, zu prüfen, ob die Schweiz nicht einen Staatsfonds schaffen müsste. Unterstützung erhält er von BDP-Präsident Martin Landolt.

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