Von René Weber aus Brasilia

Mit jedem Flugzeug, das auf dem Aeroporto Internacional de Brasilia landet, treffen mehr Schweizer Fans in der brasilianischen Hauptstadt ein. Man spricht von 6000, die heute beim WM-Auftaktspiel gegen Ecuador im Estádio Nacional erwartet werden. Verbürgt ist die Zahl nicht. Die Schweizer, die bereits in Brasilia anzutreffen sind, geben sich unisono siegessicher.

Armin Portmann aus Hergiswil ist mit Kollegen für zehn Tage angereist. Er gehört zu den treuen Fans, die das Nationalteam seit Jahren unterstützen. So war er 2006 in Dortmund gegen Togo dabei und besuchte auch die WM-Spiele in Südafrika vor vier Jahren. «Gegen Ecuador hoffe ich auf einen weiteren Sieg – egal wie hoch er ausfällt», sagt Portmann. Er sei aber nicht nur wegen des Fussballs so weit gereist, sondern wolle auch das Land kennen lernen.

Ähnlich ergeht es dem Belper Bruno Aeschbacher. Er könne sich noch gut an die Stimmung an der WM 1970 in Brasilien erinnern. Weil er Pele und Co. damals nur aus der Ferne verfolgen konnte, wollte er heuer unbedingt hinreisen. Er hofft, dass die Schweiz gut startet und es in die Achtelfinals schafft. Gegen Ecuador tippt er auf ein 2:1.

Die meisten Schweizer Fans sind für die Vorrundenspiele angereist – auch wenn sie an die Qualifikation fürs Achtelfinal glauben. Heinz Muster aus Binningen hat für zwei Spiele Tickets ergattert: für das erste Schweizer Spiel gegen Ecuador («Die Schweiz gewinnt 3:1») und für das wohl schwerste gegen Frankreich. «Zum Abschluss meiner WM-Reise fliege ich dann noch nach Rio», sagt Muster.

Da die Schweizer mit Brasilia, Salvador und Manaus an drei verschiedenen Orten spielen, sind für die Schweizer Fans viele Flüge angesagt, wenn sie alle Spiele sehen möchten. Doch Fans wie René Plüs aus Trimbach scheuen diese Kosten nicht: «Für mich als Eishockey- und Fussballfan sind die Weltmeisterschaften einfach ein Muss.» Er leiste sich dafür jedes Jahr einige Monate Ferien. Während er bloss die Spiele der Schweizer Mannschaft besucht, hat Roger Peier aus Aarburg gleich auch noch ein Ticket für das Estadio do Maracanã in Rio gekauft. Da wird er die Vorrunden-Partie Belgien gegen Russland verfolgen.

Unter den rund 6000 Schweizerinnen und Schweizern hat es vor allem viele junge Männer wie der Berner Lukas Bodmer. Er will in Brasilien auch noch etwas erleben: «Neben dem Besuch der Schweizer WM-Spiele will ich einiges unternehmen. Ein Surf-Trip und eine Dschungelexpedition sind gebucht.» Bodmer ist für dreieinhalb Wochen in Brasilien. Dies passe zwar seiner Freundin, die daheim geblieben ist, gar nicht, doch eine Weltmeisterschaft sei eben «etwas Besonderes». Dem pflichtet auch Sandro Hug aus Trimmis bei: «Ich erlebe die WM als Volksfest mit grosser Begeisterung.» Doch natürlich sei nicht einfach alles so entspannt in Brasilien. Hug erwartet, dass er auf seinen Autofahrten zwischen den Spielorten schon sehen werde, dass der harte Alltag grosse Teile der Bevölkerung schnell wieder einholen wird. Er wünscht dem Gastgeberland den Weltmeistertitel und sich selbst einen 2:1-Startsieg der Schweiz gegen Ecuador.

Auch wenn das Reisen im heissen Brasilien mit der hohen Luftfeuchtigkeit nicht immer angenehm ist, hat es unter den Schweizer Fans auch zahlreiche, die schon etwas älter sind, wie Pedro Felber. Doch der Luzerner macht sich keine Sorgen, als Reiseleiter habe er die Nati schon zu Zeiten von Paul Wolfisberg ins Ausland begleitet. Wie Felber schon länger dabei ist Ueli Schweingruber aus Schönbühl. Er feiert in Brasilien gar seinen 59. Geburtstag und ist froh, dass seine Frau nichts gegen die Reise einzuwenden hatte, denn er fragt: «Wer weiss, ob Brasilien meine letzte WM ist?»

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