Ein bis zwei Menschen starben pro Woche im vergangenen Jahr durchschnittlich, weil sie vergeblich auf ein Organ gewartet hatten. Damit lag die Schweiz mit ihrer Organspenderate auch 2014 im unteren Drittel Europas, wie Swisstransplant, die Nationale Stiftung für Organspende und Transplantation, mitteilte.

Das soll sich ändern. «Wir wollen der Bevölkerung signalisieren, dass Organspenden selbstverständlich ist», sagt Franz Immer, Generaldirektor von Swisstransplant. Jeder solle deklarieren, ob er seine Organe spenden möchte oder nicht. Um diesem Ziel näher zu kommen, hat die Stiftung eine Spendekarte für das Smartphone lanciert. Neu kann ein digitaler Spenderausweis ausgefüllt und dieser als App heruntergeladen werden. «Bis Mitte Januar verzeichneten wir bereits rund 56 000 Downloads, dabei lancierten wir die digitalen Spenderausweise erst im September», sagt Immer. Mit dieser enormen Anzahl hat er nicht gerechnet. Die elektronische Version werde in Zukunft wohl 50 bis 60 Prozent aller Willensäusserungen zur Organspende ausmachen.

«Weltweit neu an dieser App ist, dass der Spenderausweis für Notfallstationen auch dann ersichtlich wird, wenn das Smartphone per Code gesperrt ist», sagt Immer. Via Bluetooth, der Datenübertragung per Funk, wird die digitale Organspendekarte beim Eintritt in Notfallstationen auf dem Sperrbildschirm des Handys angezeigt. Laut Immer sind inzwischen zwei Drittel aller Notfallstationen in der Schweiz mit Bluetooth-Tags ausgestattet. Darunter die Universitätsspitäler Zürich, Lausanne, Bern, Basel und Genf. Kostenpunkt: 100 Franken pro Kästchen, gesponsert von Swisstransplant.

Diese Investitionen nützen allerdings nichts, wenn die Patienten auf ihren Smartphones die Bluetooth-Funktion ausgeschaltet haben. Da diese viel Akku verbraucht, ist das bei vielen der Fall. Immer räumt ein, dass es diesen Aspekt zu beachten gelte. «Neue Techniken, wie sie etwa beim bargeldlosen Zahlungsverkehr angewendet werden, die nicht über Bluetooth gehen, könnten hier Abhilfe schaffen», sagt er.

Dass dies nötig ist, zeigen Studien: «Wir wissen, dass 40 Prozent der Schweizer bereit wären, ihre Organe zu spenden. Nur deklarieren sie das nicht», sagt Immer. Bei den Jungen seien es sogar 85 Prozent. Doch weniger als 5 Prozent tragen die Spendekarte tatsächlich auf sich. Die Problematik dabei: «Müssen Angehörige über die Organe von Verstorbenen entscheiden, liegt die Ablehnungsrate bei 60 Prozent.» Um möglichst viele potenzielle Spender anzusprechen, seien die digitalen Karten bewusst nutzerfreundlich gestaltet. «Mir hat es Spass gemacht, diese auszufüllen», sagt Immer. «Und dieser Spassfaktor ist gerade bei todernsten Themen wie dem Organspenden nicht zu unterschätzen.»

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