Statt neuer Kunden für ihre Diät-Produkte handelte sich die Firma «Protein World» Proteste aus der ganzen Welt ein. «Are you beach body ready?» – Ist Ihr Körper bereit für den Strand? – fragte die Firma auf riesigen Plakaten in Londoner U-Bahn-Stationen. Ein gephotoshoptes Model blickte lasziv auf die Betrachter herab. Diese Werbemethode wird als «Body Shaming» bezeichnet. Und sie missfällt Londons neu gewähltem Bürgermeister Sadiq Kahn. Fahrgäste sollen sich nicht genötigt fühlen, unrealistischen Erwartungen an ihren Körper entsprechen zu müssen, Khan geht nun gegen solche Plakate vor. Er erliess diese Woche ein Verbot von sexistischer Werbung für sämtliche Fahrzeuge und Haltestellen der städtischen Verkehrsbetriebe.

Die Aargauer SP-Nationalrätin Yvonne Feri findet den Londoner Entscheid «wegweisend» und sieht auch hierzulande Handlungsbedarf. Bisher blieben ihre Versuche, das Thema auch in der Schweiz aufs Tapet zu bringen, weitgehend erfolglos: «Es fehlt mehrheitlich der Wille, der Problematik mit ausreichender Sensibilität zu begegnen», so Feri. Dabei belegten wissenschaftliche Studien, dass sexistische Werbung, die mit Stereotypen arbeite, einen schädlichen Einfluss auf die körperliche und psychische Gesundheit habe.

Fehlende Sensibilität
Feri prüft jetzt einen Vorstoss im Parlament: «Der Bundesrat soll aufzeigen, wo es Möglichkeiten gibt, sexistische Werbung im öV einzuschränken oder zu verbieten. Natalie Trummer, Geschäftsleiterin der NGO «Terre des Femmes», die sich in Gleichstellungsfragen engagiert, unterstützt Feris Vorstoss: «Die SBB und andere Verkehrsunternehmen sollen dafür sorgen, dass sexistische Werbung aus den Zügen und Bahnhöfen verschwindet.»

Schweizer öV-Unternehmen bewerten das «Beach Body»-Plakat unterschiedlich. Bei Bernmobil würde das Sujet voraussichtlich abgelehnt werden, sagt Sprecher Rolf Meyer. In der Stadt Zürich würde man es laut VBZ-Sprecher Andreas Uhl nicht einfach durchwinken, sondern das Gespräch mit dem Auftraggeber suchen.

Bei den SBB verweist man auf die Richtlinien für Werbekunden. Diese verbieten Inhalte, welche die Fahrgäste verletzen könnten. Zur Forderung Feris sagt SBB-Mediensprecher Olivier Dischoe: «Die SBB wenden bei Werbung in Zügen und an Bahnhöfen nicht andere gesellschaftliche Normen an, als sie sonst im öffentlichen Raum gelten.» Aus Sicht der Vermarktungsfirma APG-SGA, welche die Plakatflächen der SBB in Bahnhöfen vermietet, verletzt das «Beach Body»-Plakat keine Richtlinien. Das Thema «Body Shaming» sei bisher nicht diskutiert worden.

Dafür hat Anja Derungs von der Stadtzürcher Fachstelle für Gleichstellung kein Verständnis. Bahnhöfe und Züge zählten zum öffentlichen Raum, wo besondere Sensibilität gefragt sei: «Hier müssen die SBB ihre soziale Verantwortung wahrnehmen».

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