Von Henry Habegger und Shamiran Stefanos

Vor knapp einem Jahr, am 17. Dezember 2014. Der Kuwaiter Moneef Alsahammari und der Katarer Ali Abdulla Al-Suwaidi setzen in einer Berner Amtsstube ihre Unterschrift zur Beglaubigung auf ein Formular. Begleitet werden sie von zwei Vertretern des Islamischen Zentralrats der Schweiz (IZRS): Präsident Nicolas Blancho, der als Übersetzer beim Akt fungiert, mit dem die Vereine «Forum Islamischer Denker» und «Internationale Vereinigung Islamischer Prediger» gegründet werden. Mit dabei auch IZRS-Generalsekretärin Ferah Ulucay, die neben den Arabern in den Vereinen Einsitz nimmt. Beunruhigend: Alshammari, Jahrgang 1965, Lehrer, trat im September 2009 auch als Gründer der Gesellschaft «SH Fahad Al-Ahmad International Award for Humanitarian Work» auf, die in London domiziliert ist.

Eine Organisation fast gleichen Namens, die «Sheikh Fahad Al-Ahmad Charity Organization», gab es bis vor kurzem auch in Kuwait. Im Juni 2015 ist sie von der Regierung geschlossen worden – nach einem Bombenanschlag auf eine schiitische Moschee in Kuwait. Dem angeblichen Wohltätigkeitsverein, der 2011 den türkischen Präsidenten Recep Erdogan mit einem Award auszeichnete, wurden Verbindungen zu Terroristen vorgeworfen. Gemäss der Nachrichtenagentur Reuters, die sich auf eine arabische Zeitung berief, habe der Verein wiederholte Warnungen ignoriert, wonach «Gelder für Syrer nur über offizielle Kanäle gesammelt werden durften».

Das unheimliche Netzwerk um den Zentralrat wächst und wächst: Mindestens elf Vereine, die viel Geld sammeln dürften, liess IZRS-Blancho in den letzten Jahren in Bern gründen. Sie finanzieren sich typischerweise aus Mitgliederbeiträgen, Gönnerbeiträgen, Schenkungen, Vergabungen, Veranstaltungen, Zuwendungen, Spenden. Einer der Vereine nennt sich «Association des Savants musulmans» (ASM). Er beruft sich explizit auf die «Sunna»-Ideologie – wie der Islamische Staat und die Wahabiten aus Katar oder vor allem Saudi-Arabien. Sie setzen Milliarden ein, um den sunnitischen Fundamentalismus weltweit zu verbreiten.

Fliesst das Geld auch in die Schweiz, etwa über die wachsende Zahl von Vereinen rund um den Islamischen Zentralrat?

Fragen nach Geldern und Geldflüssen blockt der Zentralrat auffallend ab. «No comment», sagt Sprecher Qaasim Illi. Worin besteht die Aktivität der Blancho-Vereine konkret? Finanzieren sie Aktivitäten des Zentralrats? Welche Umsätze generieren sie? Weshalb sind sie gerade in der Schweiz domiziliert? Alles bleibt unbeantwortet, Blancho schweigt.

In der ASM sitzt etwa ein gewisser Abdel Wahab Humaiqani aus Jemen. 2013 hat das US-Schatzministerium zwei Al-Qaida-Supporter auf die Sanktionsliste gesetzt. Einer heisst Abd al-Rahman al-Humayqan, auch bekannt als Abdul Wahab al-Humayqani. «Humayqani hat seine Funktion in einer Wohltätigkeitsgemeinschaft genutzt, um Gelder zu sammeln und Teile dieser Gelder der Al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAH) zur Verfügung zu stellen.» Der Mann wird zudem konkret in Verbindung mit Terroranschlägen etwa auf Behördenmitglieder in Jemen gebracht.

Ist der Humaiqani im IZRS-Verein identisch mit dem Humayqani auf der Terrorliste? IZRS-Sprecher Illi: «Abdel Wahab Humaiqani kenne ich nicht und kann auch keine Informationen über ihn innert nützlicher Frist in Erfahrung bringen.» Es sei aber «unwahrscheinlich», dass es der Gleiche sei.

Der IZRS-Kulturproduzent Naim Cherni hat eben ein «Exklusivinterview» mit Abdallah al-Muhaysini geführt, den er als «Brückenbauer zwischen den verschiedenen Rebellengruppen in Syrien» in höchsten Tönen lobte. Er habe sich gegen den «theologischen Extremismus des IS» ausgesprochen. Nur ist das der gleiche Wein in anderen Schläuchen: Al-Muhaysini posierte unlängst mit einem gefangenen syrischen Piloten. Im Hintergrund die Flagge der dschihadistisch-salafistischen Jabaht-al-Nusrah-Front, die eindeutige Al-Qaida-Insignien enthält.

Hintergrund und Hinterleute des IZRS, der sich gegen aussen harmlos gibt, werden immer deutlicher: ein Netzwerk von Rattenfängern, die alles daransetzen, um ihren Extremismus unter den Muslimen in aller Welt durchzusetzen und zu verbreiten.

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