VON SANDRO BROTZ

Ein neues Dokument zeigt, wie sich Bundesanwalt Erwin Beyeler im Fall Ramos weiter verstrickt. In einer «Sonntag» vorliegenden vertraulichen Stellungnahme des Bundesamts für Polizei (Fedpol) vom 7.6.2006 an den damaligen Justizminister Christoph Blocher heisst es: «Juli 2002: (...) Die Ergebnisse (zu Aufträgen einer Arbeitsgruppe im Fall Ramos; Anm. d.Red.) wurden den Leitungen von BA und BKP sowie dem Direktor Fedpol vorgelegt.»

Dieser Satz birgt Sprengkraft, denn: Beyeler – damals Chef der Bundeskriminalpolizei (BKP) – hat bisher erklärt, er sei an der Verpflichtung von US-Doppelagent Ramos im Fall Oskar Holenweger «überhaupt nicht beteiligt gewesen». Er war jedoch bis Ende August 2002 im Amt und damit am Entscheid beteiligt.

Beyeler war zudem detailliert über die Vorgänge um Ramos im Bilde. Laut dem Dokument, das von seinem Stellvertreter Dieter Stüssi mitunterschrieben wurde, hat Beyeler auf den «hohen Ressourcenbedarf bei der Führung eines solchen VP» hingewiesen. VP steht für Vertrauensperson und damit für Ramos, der Bankier Holenweger als angeblichen Drogengeldwäscher entlarven sollte.

Ironie der Geschichte: Beyeler wollte seinen Interims-Nachfolger Stüssi zum Sündenbock machen. Er habe grünes Licht für Ramos gegeben. Ausgerechnet Stüssi ist es jetzt, der mit seiner Stellungnahme an Blocher bestätigte, dass Beyeler viel mehr wusste, als dieser bisher öffentlich zugegeben hat.

Auf die Frage, ob er ein Lügner sei, sagte Beyeler noch vor zwei Wochen in der «Aargauer Zeitung»: «Ganz klar nein.» Zur jüngsten Entwicklung wollte er sich nicht äussern.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!