VON LUKAS FÜGLISTER

Der Betreibungsregister-Auszug von Franz A. Zölch ist lang: Seit dem Jahr 2006 haben sich 91 Forderungen über insgesamt 1 580 989 Franken angesammelt. In 21 Fällen wurde gar bereits die Pfändung vollzogen. Ein aktueller Auszug liegt dem «Sonntag» vor. Zölch akzeptiert die allermeisten Forderungen: «Ich stehe zu meinen Verpflichtungen», sagt er auf Anfrage. Lediglich in fünf Fällen hat er Rechtsvorschlag eingelegt.

Der Jurist betreibt seit 1983 in Bern die Praxis für Medien- und Werberecht «Franz A. Zölch & Partner» – als Einzelfirma ohne Handelsregistereintrag. Er doziert an verschiedenen Schulen und Hochschulen und machte sich einen Namen als Medienrechtler. Als Präsident der Eishockey-Nationalliga (1995 bis 2006) wurde er landesweit bekannt.

Zölch war bis 2005 mit Elisabeth Zölch verheiratet, die von 1994 bis 2006 als SVP-Regierungsrätin die Berner Volkswirtschaftsdirektion leitete. Er stand als rechtlicher Vertreter des «Börsengurus» Dieter Behring und als Berater der Staatsanwaltschaft Bern bei der Auslieferung von Werner K. Rey im medialen Rampenlicht.

Dass Zölch finanzielle Probleme hat, bekommen auch seine sechs Mitarbeiter zu spüren: Immer wieder kann er die Löhne nicht rechtzeitig zahlen. Die Novemberlöhne sind bis heute ausstehend. «Sonntag»-Recherchen ergeben: Im letzten halben Jahr sind Mitarbeiter wiederholt wegen verspäteter Lohnzahlungen nicht zur Arbeit erschienen – bis Zölch die Löhne bezahlte. Auch war die Fluktuation beim Personal in den letzten Jahren ungewöhnlich hoch.

Als jüngst die Novemberlöhne ausbleiben, erscheinen mehrere Mitarbeiter erneut nicht zur Arbeit und setzen Zölch mittels eingeschriebenem Brief ein Ultimatum. Dieses verstreicht ungenutzt. Gemäss mehreren Quellen kündigen darauf zwei Mitarbeiter fristlos. Andere hatten schon früher genug und kündigten ihre Stellen ordentlich. Offenbar ist Zölch auch mit der Zahlung der Sozialversicherungen für seine Angestellten im Verzug: Die Ausgleichskasse der Berner Arbeitgeber zählt zu seinen Gläubigern.

Zölch gibt gegenüber dem «Sonntag» zu, dass noch Lohnzahlungen an seine Mitarbeiter ausstehen. Er betont aber: «Ich werde morgen Montag alle Löhne bezahlen.» Auch sagt er, alle ausstehenden finanziellen Forderungen aus dem Betreibungsregister seien bis Ende Jahr vom Tisch.

Gemäss Zölch haben seine Finanzprobleme den Ursprung in den Jahren 1999 bis 2001. «Aus diesen Jahren habe ich einige grosse Debitorenverluste. Konkret handelt es sich um Honorare, die nicht eingegangen sind und Aufträge, die ich so vorfinanzierte.» Der aktuelle Geschäftsgang habe nichts damit zu tun: «Ich habe mehr als genug Aufträge.»

Dass Zölch finanzielle Probleme hat, wurde bereits vor etwas mehr als einem Jahr bekannt: Die «SonntagsZeitung» deckte auf, dass das Ehepaar Zölch über mehrere Jahre ein Einkommen von null Franken versteuerte und so keine Steuern zahlte – obwohl Elisabeth Zölch als Regierungsrätin jährlich 250 000 Franken verdiente. Die Verluste von Zölchs Firma wurden auf der gemeinsamen Steuererklärung mit den Einkünften verrechnet. Schon damals erklärte Zölch die Situation mit den Debitorenverlusten aus früheren Jahren.

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