Es wird eng im Kanton Bern bei den Nationalratswahlen im Herbst. Statt auf 26 hat der grösste Kanton der Schweiz nur noch Anrecht auf 25 Nationalratssitze. Eng dürfte es insbesondere für die BDP werden. Ihr bisheriges Zugpferd im Berner Oberland, die populäre Thunerin Ursula Haller, ist zurückgetreten. Sie hat dem Meisterlandwirt Heinz Siegenthaler aus Rüti bei Büren Platz gemacht, dem Dorf von Alt-Bundesrat Samuel Schmid.

Alles deutet darauf hin, dass die SVP, die grosse Rivalin der BDP im Kanton Bern, diese Situation noch zusätzlich ausnützen will und jetzt quasi zur Mutter aller Schlachten rüstet. Denn Sitzverluste im für die BDP wichtigsten Kanton könnten am Ende dazu führen, dass der BDP-Sitz im Bundesrat noch mehr wackelt.

Jedenfalls ist der SVP, die für ihre schier unermesslichen finanziellen Mittel bekannt ist, ein Coup gelungen: Sie hat sich die Frontseiten der stärksten Blätter im Kanton, der «Berner Zeitung» und des «Bunds», während dreier Monate vor den Wahlen gesichert.

Lorenz Hess, Berner Nationalrat und Wahlkampfleiter der BDP, staunte Anfang Jahr nicht schlecht. «Bereits im Januar war auf Anfrage das Buchen von Inseraten auf der Frontseite nicht mehr möglich, da die SVP für die relevanten drei Monate flächendeckend reserviert hatte.» Eine Übung in diesem Umfang dürfte schätzungsweise 250 000 bis 300 000 Franken kosten.

Die Frage, ob auch die FDP auf ausgebuchte Frontseite gestossen sei, verneint Kantonalgeschäftsführer Stefan Nobs. «Allerdings werden wir uns erst Ende März um Inseratebuchungen kümmern», sagt er.

Die BDP-Fraktion, die Heimbasis der Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf, zählt derzeit insgesamt zehn Mitglieder. Die Hälfte davon kommt aus dem Kanton Bern – vier Nationalräte sowie Ständerat Werner Luginbühl. Wenn es der SVP gelingt, die BDP hier zu pulverisieren, könnte selbst einer zähen Bündnerin wie Widmer-Schlumpf der Schnauf ausgehen. Just das, so geht die Rede im Bernbiet, sei vermutlich das Ziel von SVP-Aktionen wie dieser.

Aliki Panayides, Geschäftsführerin der SVP des Kantons Bern, antwortet auf die Frage, ob es zutreffend sei, dass die Partei die Front-Inserate während dreier Monate allesamt gebucht habe: «Ganz so ist es nicht, aber unsere Kandidaten haben in der Tat schon gut Frontseiten-Inserate gebucht.» Auch den genannten Preis der Aktion kommentiert sie nicht. Auf die Frage, ob die SVP auch die Plakatwände im Kanton gebucht habe, sagt sie: «Die Plakatierung setzt eher auf wilde Stellen.»

Beobachter gehen davon aus, dass vor allem SVP-Wahlkampfleiter Albert Rösti, der im Kanton Bern als Ständerat kandidiert, im Wahlherbst die Zeitungen und die Plakate auf den Feldern dominieren wird mit seinem Konterfei.

Die SVP richtet mit der grossen Kelle an. Für BDP-Wahlkampfleiter Hess ist klar, dass Geld aus Herrliberg im Spiel sein muss, eine Kantonalsektion könne sich solch Klotzerei nie und nimmer leisten. «Das lässt erahnen, wie tief der Übervater und Hauptsponsor dieses Jahr für die Berner in den Geldsäckel greift», sagt Hess. «Aber das ist nur ein Teil des Geldsegens. Es ist nämlich anzunehmen, dass für die Ständeratswahlen mindestens die gleiche Feuerwalze vom Stapel gelassen wird wie beim letzten Mal.» So würden, ist er überzeugt, für die SVP «am Schluss Werbekosten von weit über einer halben Million zusammenkommen».

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper