Berner Regierungskandidat versteuert 200 Franken

Das Berner Rathaus, Sitz der Kantonsregierung. Foto: ho/Richard Cassani

Das Berner Rathaus, Sitz der Kantonsregierung. Foto: ho/Richard Cassani

Der Steuerausweis des Berner SVP-Regierungskandidaten Manfred Bühler sorgt für Kritik.

Der Kanton Bern ist für viele eine Steuerhölle. Nicht so für Manfred Bühler, den Regierungsratskandidaten der SVP. Er ist der Sprengkandidat, mit dem die Bürgerlichen am kommenden Wochenende die rot-grüne Mehrheit in der Regierung des an sich bürgerlichen Kantons knacken wollen. Wegen seines Steuerausweises gerät der Bernjurassier nun aber in die Kritik.

Bühler arbeitet als Anwalt in einer Kanzlei in Biel. Seit 2010 ist er Mitglied des Grossen Rates. Er sitzt auch im Regionalparlament des Berner Jura sowie im Verwaltungsrat einer Regionalbank. Trotzdem brachte es der unverheiratete und kinderlose Bühler im Jahr 2012 auf ein steuerbares Einkommen von lediglich 200 Franken. Publik gemacht hatte den Steuerausweis Tele Bärn.

Die SP, die den bernjurassischen Sitz ihres Regierungsrats Philippe Perrenoud gegen Bühler verteidigen muss, sieht sich bestätigt. «Solche Steuerausweise sind skandalös», sagt Roland Näf, Präsident der Kantonalpartei. «Aber leider sind sie typisch. Hohe Steuern bezahlen müssen im Kanton Bern immer nur die normalen Lohnempfänger, die keine grossen Abzüge machen können.» Bei Steueroptimierungen von Firmen und Vermögenden drücke die Berner Steuerverwaltung hingegen beide Augen zu, behauptet Näf.

Bühler weist die Kritik zurück. Er habe im Jahr 2011 eine umfangreiche und energetisch sinnvolle Sanierung seiner Liegenschaft durchgeführt, zu der mehrere Mietwohnungen gehörten. Dadurch seien Kosten von 80 000 Franken entstanden. «Es steht jedem Hauseigentümer frei, Abzüge infolge Unterhalt zu machen», sagt Bühler.

Als Anwalt habe er kein hohes Einkommen erzielt, weil er seine berufliche Tätigkeit zugunsten seiner öffentlichen Ämter markant zurückgefahren habe. Zusammen mit den Einkünften aus den politischen Mandaten sei er 2012 auf ein Einkommen von 70 000 Franken gekommen. Insgesamt habe er seit 2008 mehr als 100 000 Franken Steuern bezahlt. «Ich bin der Meinung, damit einen nicht unbedeutenden Beitrag an das Gemeinwesen geleistet zu haben.»

Tatsächlich versteuerten andere Regierungskandidaten zum Teil ebenfalls wenig, wie die im Kanton Bern öffentlich einsehbaren Steuerausweise zeigen. 6300 Franken steuerbares Einkommen waren es bei Marc Jost, der für die EVP antritt. Gegenüber Tele Bärn erklärte Jost, dass er als Generalsekretär der Schweizerischen Evangelischen Allianz 75 000 Franken verdiene. Als Vater von vier Kindern könne er aber entsprechende Abzüge geltend machen.

Auch Bühlers Parteikollege, der amtierende Justizdirektor Christoph Neuhaus, profitierte von hohen Abzügen – aus dem gleichen Grund: Er steckte Geld in die Sanierung einer Liegenschaft mit Baujahr 1750. Aus einem Nettoeinkommen von rund 234 000 Franken wurden so noch 78 400 Franken steuerbares Einkommen.

Das höchste Einkommen versteuerte die amtierende Bau- und Verkehrsdirektorin Barbara Egger-Jenzer (SP). Gemeinsam mit ihrem Mann kommt sie auf ein Einkommen von 511 900 Franken. Dahinter folgen die Regierungsräte Beatrice Simon (BDP) mit 299 900 Franken und Hans-Jürg Käser (FDP) mit 229 000 Franken, gefolgt von Bernhard Pulver (Grüne) mit 176 200 Franken, Andreas Rickenbacher (SP) mit 159 000 Franken, Philippe Perrenoud (SP) mit 145 400 Franken und Barbara Mühlheim (GLP) mit 74 800 Franken.

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