Tatort: Gemeindehaus Niederweningen ZH. Am Montagabend vor einer Woche um 19.30 Uhr rastet Peter Müller* auf dem Gemeindeplatz völlig aus. Er stösst wüste Beschimpfungen aus und droht damit, ein Blutbad anzurichten. Der Mann war kaum mehr zu beruhigen, wie eine Verwaltungsangestellte gegenüber dem «Sonntag» sagt.

Zufällig verliessen zwei Gemeinderäte nach einer Bauausschuss-Sitzung gerade das Gebäude, wo sie auf den tobenden Mann stiessen. Da sich Müller nicht beruhigen liess, wurde die Polizei alarmiert und Klage gegen den Behördenschreck eingereicht.

«Der Mann ist schon früher gegen andere Leute ausfällig geworden», sagt eine Verwaltungsangestellte, die nicht namentlich erwähnt werden will. Müller wird verhaftet und verbringt eine Nacht im Gefängnis.

Die stellvertretende leitende Staatsanwältin der Region Winterthur/Unterland, Susanne Steinhauser, bestätigt den Vorfall. «Wir haben ein Strafverfahren wegen einer Drohungshandlung eröffnet. Dabei kam es auch zu einer Hausdurchsuchung, bei der Schusswaffen beschlagnahmt wurden.» Auslöser des Streits ist eine Liegenschaft, die Müller von der Gemeinde gegenüber dem Sportplatz in Niederweningen gepachtet hat. Dort betreibt er zusammen mit seiner Frau ein Alteisen- und Metallgeschäft.

Seit einiger Zeit hat Müller sein Lager entlang der Bahnlinie eigenmächtig ausgeweitet und nutzt viel mehr Land als im Pachtvertrag vereinbart. Die Luftaufnahme (siehe Bild) zeigt: Das Gelände, neben Sportplatz und in der Nähe des Gemeindehauses gelegen, ist zu einer wilden Deponie verkommen.

Die Gemeinde verfügte deshalb die Räumung bis Februar 2012. Doch Müller liess den Termin ungenutzt verstreichen. Die Gemeinde Niederweningen zeigt sich dennoch geduldig. Sie hat einen sogenannten Case-Manager für das Problem eingesetzt. Seine Aufgabe: Er soll dem Querulanten beratend zur Seite stehen und ein Vertrauensverhältnis herstellen. Damit soll das Problem gütlich geregelt und das Lager jetzt bis Juli geräumt werden.

Nach der unverhohlenen Drohung besteht bei der Gemeinde aber wenig Hoffnung. «Der Mann ist ein Choleriker und hat bis jetzt wenig Einsicht gezeigt. Es gibt Mitarbeiterinnen, die Angst vor ihm haben», sagt die Verwaltungsangestellte. Dass man Müller in Niederweningen als unberechenbar einstuft, zeigt auch die Reaktion eines der Gemeinderäte, der Zeuge der Blutbad-Drohung war. Er will sich nicht zu dem Vorfall äussern: «Das wäre kontraproduktiv, würde nur unnötig Öl ins Feuer giessen und könnte die Situation wieder eskalieren lassen.»

Müller stellt sich auf den Standpunkt, von der Gemeinde schikaniert zu werden. Man mache bei der Gemeinde wegen «jedem Scheiss» ein Theater. Er und seine Frau seien wegen dieser Sache mit den Nerven am Ende. Beim Telefongespräch wird auch dem «Sonntag» gedroht. Man gehe zur Polizei, wenn die Geschichte publik gemacht werde.

*Name von der Redaktion geändert.


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