Im Besucherraum des Basler Ausschaffungsgefängnisses Bässlergut trifft sich das Who is Who der regionalen Islamisten-Szene. Begehrter Gesprächspartner ist ein 24-jähriger Iraker, der vom Nachrichtendienst des Bundes den Codenamen «Apotheker» erhalten hat. Der Grund dafür: Er studiert Pharmazie. Der Geheimdienst stuft ihn als «ernsthafte Gefahr für die innere und äussere Sicherheit der Schweiz» ein. Der Mann habe das Krisengebiet in Syrien und im Irak besucht und gehöre wahrscheinlich einer Terror-Organisation an.

Das Basler Verwaltungsgericht hielt die Einschätzung für glaubhaft und bestätigte die Ausschaffung in den Irak. Diese Woche berichteten die «Rundschau» und die «Basler Zeitung» über den Fall. Die Medien wiesen Verbindungen zur König-Faysal-Moschee nach: Der Mentor des «Apothekers» ist dort als Übersetzer für den Imam tätig. Dieser wiederum ist der Vater der Brüder, die ihren Lehrern in Therwil den Händedruck verweigerten. Gemäss «NZZ» hatte der «Apotheker» bereits 2013 seinen Lehrerinnen in Basel die Hand nicht gegeben. Die Behörden reagierten damals nicht.

Al-Kaida und der Bomben-Depp
Die Besucher, die der «Apotheker» im Ausschaffungsgefängnis empfängt, sind mit ganz anderen Delikten konfrontiert. Gemäss Recherchen handelt es sich um zwei Cyber-Dschihadisten, die im Internet zu Terror aufriefen.

Der eine Gefängnisbesucher ist der «Bomben-Depp» aus Arlesheim. Er erhielt seinen Übernamen vom «Blick», nachdem der 31-Jährige im August eine Hausdurchsuchung der Bundesanwaltschaft auf seiner eigenen Facebook-Seite publik machte. Die Fahnder stellten nicht nur Handy und Laptop sicher, sondern auch explosives Material: 800 Gramm roten Phosphor. Damit könne man wohl schon Bomben bauen, sagte der Mann, doch sein Interesse am Stoff sei rein wissenschaftlicher Natur.

Die Bundesanwaltschaft wurde auf den «Bomben-Depp» nach den Terroranschlägen in Paris aufmerksam. Der Konvertit postete damals auf Facebook: «Frankreich hat es verdient. Es sollen noch mehr Anschläge gemacht werden in diesem dreckigen Staat.» Die Bundesanwaltschaft bestätigt ein Verfahren wegen Verstosses gegen das IS-Verbot.

Seine Karriere begann der Mann beim Islamischen Zentralrat der Schweiz (IZRS) als «Minister für Infostände». Die Generalversammlung hätte Ende August über seinen Ausschluss entscheiden sollen. IZRS-Generalsekretärin Ferah Ulucay sagt, der Betroffene habe den IZRS vor der Abstimmung auf eigenen Wunsch hin verlassen. In seinem Fall gilt die Unschuldsvermutung.

Rechtskräftig verurteilt ist hingegen der andere Gefängnisbesucher. Es handelt sich um den jüngeren von zwei irakischen Brüdern, die von Basel aus Onlineaktivitäten der Auslandabteilung von al-Kaida unterstützt haben. Der Jüngere ist heute 24 Jahre alt und postete in diesem Netzwerk: «Ihr Jungen des Islams! Stellt vor eure Augen die Körperteile der Kinder, die Schreie der Geliebten und das Stöhnen der Greise! Lasst den Vulkan der Wut explodieren! Brennt das Land unter den Füssen von Juden und ihren Verbündeten!»

Kommt der Islamist bald frei?
2014 verurteilte das Bundesstrafgericht die Brüder wegen Unterstützung einer kriminellen Organisation. Sie wehrten sich vor Bundesgericht, weil ausländische Geheimdienste die Beweise illegal erhoben hätten. Doch das Bundesgericht bestätigte das Urteil Anfang 2016. Da die Freiheitsstrafen nur bedingt ausgesprochen wurden, blieben sie auf freiem Fuss. So konnte der Jüngere der «Al-Kaida-Brüder» im Juli gemeinsam mit dem «Bomben-Depp» den «Apotheker» im Gefängnis besuchen.

Der Nachrichtendienst protokollierte die Besuche und meldete sie den Asylbehörden als Indizien für die Gefährlichkeit des «Apothekers». Dieser hat inzwischen beim Bundesgericht Beschwerde gegen seine Ausschaffung erhoben. Seine Chancen stehen gut, da der Irak ihn nicht aufnehmen will.

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