Sind Secondos im Ernstfall loyal? Diese Frage hat Verteidigungsminister Ueli Maurer vor zwei Wochen an der SVP-Delegiertenversammlung von Kerns OW aufgeworfen. Die Schweiz habe in der Armee rund einen Drittel Secondos, sagte er. «Möglicherweise stellt es auch für diese Leute ein Konfliktpotenzial dar, wenn sie in den Einsatz gehen müssten.» Selbst wenn sie sich jetzt gut integriert hätten.

Und in Friedenszeiten? Wie sieht es da mit der Loyalitätsfrage der Secondos aus? Konflikte möglich sind heute vor allem im Rahmen von friedensfördernden Einsätzen im Ausland. Die Armee beteiligt sich seit 1953 an solchen Missionen. Zurzeit sind 307 Frauen und Männer in 18 Ländern auf vier Kontinenten tätig. Besonders im Fokus sind dabei die sogenannten Swisscoy-Truppen, die sich an der friedensfördernden Mission Kosovo Force (Kfor) in Kosovo beteiligen. Sie sind vor allem im Nordkosovo im Einsatz, wo Serben und Kosovaren immer wieder aneinandergeraten.

«Es gibt kein generelles No-Go, einen Schweizer Soldaten mit Wurzeln aus dem Balkan für einen Einsatz in den Kosovo zu schicken», sagt Armee-Sprecher Walter Frik. «Wir klären aber ab, ob ein Zielkonflikt besteht. Zu seiner und zur Sicherheit der anderen Kontingentsmitglieder ist es wichtig, dass der Soldat neutral auftreten kann.»

Die Swisscoy setzt sich aus bis zu 235 freiwilligen, zum Selbstschutz mit Pistole und Sturmgewehr bewaffneten Angehörigen der Armee zusammen. Für Swisscoy-Missionen melden sich Soldaten mit militärischer Grundausbildung, aber auch Arztgehilfinnen und Krankenschwestern. Seit einigen Jahren ist jeder Swisscoy-Soldat im Kosovo mit seinem richtigen Familiennamen angeschrieben. Bei der Armee betont man, das gelte auch für Secondos. Sie träten nicht mit eingeschweizerten Namen auf, wie spekuliert wird. «Bei Personen mit selbst deklariertem Migrationshintergrund aus Einsatzgebieten wird zusätzlich die persönliche Beziehung zum Einsatzland abgeklärt, bevor eine Entsendung erfolgt», sagt Frik.

Es gelten generell hohe Sicherheits-Standards bei Ausland-Einsätzen. «Wir sind sehr vorsichtig», sagt Frik. «Dies beginnt schon bei der Rekrutierung.» Alle – Nur-Schweizer wie Secondos – müssen sich einer Personen-Sicherheits-Überprüfung (PSP) unterziehen. Die Kandidaten würden auch während der Ausbildungszeit «sehr genau» beobachtet. «Sehen wir Anzeichen, dass sich ein Zielkonflikt im Einsatzland ergeben könnte, sprechen wir die Person darauf an», sagt Frik.

Unklar ist, wie viele Secondos an den Einsätzen des Kompetenzzentrums Swissint teilnehmen, der nationalen Kommandostelle der friedensfördernden Auslandeinsätze. «Dazu führt die Schweizer Armee keine Statistik», sagt Frik. «Es bewerben sich laufend Schweizer Bürger für einen Friedensförderungseinsatz.» Ein Auslandeinsatz für die Armee stehe allen offen, welche die Anforderungskriterien erfüllten. «Wir suchen nicht speziell nach Personal mit Migrationshintergrund.» Klar sei aber auch, sagt Frik: «Soldaten mit Erfahrung aus einem anderen Kulturkreis können über ein regionales kulturelles Verständnis verfügen.»

Die Erfahrungen zeigen, dass es im Rahmen solcher Einsätze auch zu Loyalitätskonflikten mit Nur-Schweizern kommen kann. «Bei einem Schweizer, der sich bei uns vor einiger Zeit zum Militärbeobachter ausbilden liess, mussten wir vor seinem Einsatz im arabischen Raum intervenieren», sagt Frik. Er sei Inhaber einer Website gewesen, die in arabischen Ländern Probleme hätte verursachen können. «Wir baten ihn, diese abzuschalten», erklärt Frik. «Eine andere Möglichkeit wäre gewesen, ihn an einen anderen Einsatzort zu senden.»

Auch in der Schweiz selbst kann es mit Nur-Schweizern zu ganz heiklen Situationen kommen. Wie beispielsweise 2003 in Genf: 650 Genfer Soldaten mussten am Flughafen Cointrin mit ansehen, wie Demonstranten im Rahmen des G-8-Gipfels von Evian ihre Stadt verwüsteten. Sie machten dem Kommando den Vorschlag, im Panzer nach Genf zu fahren, um – unbewaffnet – Präsenz zu markieren. Dem Kommando wurde es zu mulmig: Es entzog den Soldaten die Munition.

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