In den Zügen ins Ausland leeren sich die Sitzreihen. Im Jahr 2013 benützten 310 000 Personen weniger die Eisenbahn für Auslandsreisen von und in die Schweiz als im Vorjahr. Das entspricht einem Minus von 2,2 Prozent, wie neue Zahlen des Bundesamts für Statistik zeigen. Gedämpft wurde der Rückgang durch einen statistischen Effekt, weil zusätzliche Regionallinien in die Berechnung aufgenommen wurden. Ein deutlicheres Bild zeigt sich denn auch bei der Zahl der zurückgelegten Kilometer. In internationalen Zügen auf Schweizer Boden wurden im Jahr 2013 4,3 Prozent weniger Kilometer zurückgelegt als 2012. Mit über 4 Prozent im Minus waren dabei sowohl Verbindungen nach Deutschland, Frankreich, Italien als auch jene nach Österreich oder in die Niederlande.

Die SBB äussern sich zurückhaltend. In Richtung Italien und Deutschland hätten die Bundesbahnen zwischen 2012 und 2013 einen leichten Dämpfer erlitten, sagt Sprecher Christian Ginsig. Im Jahr 2014 seien die SBB aber wieder positiv unterwegs und verzeichneten mehr Passagiere im internationalen Verkehr, die Entwicklung sei «sehr erfreulich». Zahlen könnten noch nicht kommuniziert werden.

Ob die SBB mit dem wachsenden Markt mithalten können, ist allerdings unsicher. Allein der Flughafen Zürich wird dieses Jahr bei den Lokalpassagieren ein Plus von über 7 Prozent verzeichnen. Mit den Fernbussen ist den SBB zudem neue Konkurrenz erwachsen. Die Passagierzahlen der SBB im internationalen Verkehr zeigen seit Jahren nach unten. 2004 wiesen die Bundesbahnen ein Verkehrsaufkommen von 9,2 Millionen internationalen Passagieren aus, 2011 waren es 8,4 und 2013 noch 7,5 Millionen. Im selben Zeitraum wuchs die Zahl der Passagiere an Schweizer Flughäfen von jährlich 29 auf 46 Millionen.

Insgesamt seien die wesentlichen Verschiebungen Richtung Auto und Flugzeuge wohl bereits erfolgt, sagt Ulrich Weidmann, Professor für Verkehrsplanung an der ETH Zürich. Offen sei die längerfristige Wirkung der Fernbusse. Abhängig sei deren Erfolg davon, ob sie eine verlässlich gute Qualität zu angemessenen Preisen garantieren könnten.

Dass die SBB im Jahr 2013 keinen Erfolg im grenzüberschreitenden Verkehr hatten, sei einerseits auf die wirtschaftliche Situation zurückzuführen. Hinzu kämen allerdings Qualitätsmängel im Verkehr mit Italien oder nach Stuttgart sowie ein sich kaum weiterentwickelndes Angebot in Richtung Frankfurt und München – und auch die neue Konkurrenz der Fernbusse mache sich gerade in Richtung Deutschland bemerkbar.

Mit dem internationalen Verkehr der SBB hat sich unlängst auch der Bundesrat beschäftigt, als er eine Interpellation von CVP-Nationalrat Stefan Müller-Altermatt zu beantworten hatte. Dieser bemängelte die Komplexität der Buchungssysteme und inkompatible Systeme. «Wegen der Umständlichkeit verkommt diese Art der Fernreise zur Nische», heisst es in der Interpellation. Eine Kritik, die auch die Stiftung für Konsumentenschutz teilt. «Bahnbillette sind im Vergleich zu Flugreisen zu teuer», sagt Geschäftsleiterin Sara Stalder – «eine Absurdität sondergleichen». Zudem sei die Internet-Buchung vielfach schwierig, Beratung und Kauf am Schalter unumgänglich. Für diese Dienstleistung verrechnen die SBB aber eine zusätzliche Pauschale. Schade sei auch, dass viele – nicht von den SBB betriebene – Nachtzüge verschwunden seien. Abhilfe schaffen könnten innovative Angebote wie ein Abo für Auslandsreisen, sagt Stalder.

Die Bundesbahnen gehen davon aus, in Zukunft wieder mehr internationale Passagiere begrüssen zu dürfen. Mit der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels Ende 2016 rechneten die SBB mit einer «deutlichen Zunahme der Fahrgastzahlen», sagt Sprecher Ginsig. Eine Einschätzung, die Ulrich Weidmann von der ETH teilt. «Auf der Nord-Süd-Achse sind nach Eröffnung des Basistunnels wieder moderate Marktanteilsgewinne zu erwarten», sagt er.

Bis dann dürfen die Reisenden zwischen Zürich und Italien immerhin schon mal in neuere Züge einsteigen. Dank einer Verlängerung der Fahrzeiten sind die Züge ins Bel paese seit einiger Zeit auch wieder pünktlich. Bis der neue Basistunnel in Betrieb ist, dauert die Fahrt nach Mailand mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 70 Stundenkilometern nun über vier Stunden.

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