VON CLAUDIA MARINKA

«Wir bestätigen Ihnen, dass ein aussergewöhnlicher Todesfall bei den Luzerner Behörden in Abklärung ist», sagt Agnes Jenowein, Kommunikationsleiterin der Hirslanden-Klinik St. Anna zu «Sonntag». Der Fall wird nun vom Amtsstatthalteramt Luzern untersucht.

Geplant war ein kardiologischer Eingriff. Eine so genannte invasive Kardiologie ermöglicht eine nichtchirurgische Behandlung von Gefässen. Mit einem dünnen, biegsamen Kunststoffschlauch, dem Herzkatheter, kann man den Druck in den Herzkammern und herznahen Gefässabschnitten messen.

Das Vorschieben des Schlauches bis zum Herzen geschieht unter Röntgen-Durchleuchtungskontrolle und ist nicht schmerzhaft. Der kardiologische Eingriff in der St.-Anna-Klinik verlief jedoch verheerend. Das Herz des Patienten wurde beim Eingriff beschädigt, sodass es massiv zu bluten anfing. In der Fachsprache nennt sich das Perforation.

Eine Notfallsituation. Der Patient wurde daraufhin aber nicht ins nahegelegene Kantonsspital Luzern eingeliefert, sondern nach Zürich überführt – in die Klinik Hirslanden. Dort verstarb der Patient. Die Überführung wirft Fragen auf, denn die St.-Anna-Klinik gehört ebenfalls zur Privatklinikgruppe Hirslanden. Die Verlegung hat intern für Kopfschütteln gesorgt.

Der Verdacht: Die Spitalleitung wollte den Fall im eigenen Unternehmen behalten und wählte deshalb eine Verlegung innerhalb der eigenen Klinikgruppe. «Jede Weiterbehandlung eines Patienten, auch dessen Verlegung in eine andere Klinik, wird zwischen Arzt und Patient besprochen», begründet Dominik Utiger, Direktor der St.-Anna-Klinik, das Vorgehen und ergänzt: «Mindestens zwei Ärzte beurteilen eine solche Verlegung. Bei einer Instabilität des Patienten, wenn also das Risiko zu hoch eingeschätzt wird, dass der Transport negative gesundheitliche Folgen haben könnte, sehen wir davon ab», sagt er.

Die Frage bleibt offen, ob die Ärzte die Lage richtig eingeschätzt haben. «Die Ursache des Todes ist Gegenstand der Untersuchung. Bei jedem Eingriff werden die Risiken mit den Patienten vorbesprochen», sagt Utiger.

Der Eingriff wurde offenbar im Routineprozedere korrekt durchgeführt und nach bisherigen Abklärungen stimmte die Indikation für den Eingriff. Eine medizinische Indikation steht dafür, ob der Einsatz einer bestimmten medizinischen Massnahme angebracht ist. «Ein solcher Vorfall ist natürlich schwerwiegend, sowohl für Angehörige wie für Teammitglieder», sagt Utiger und betont: «Operationsrisiken bestehen immer, selbst bei einer Blinddarmoperation, auch wenn sie bei gewissen Eingriffen sehr selten eintreten.»

bereits im vergangenen Jahr haben die Untersuchungsbehörden acht Fälle in der St.-Anna-Klinik abgeklärt. In sechs Fällen wurde die Klinik entlastet, hängig sind noch zwei: Es handelt sich um eine 65-jährige Frau, bei der es im April zu Komplikationen bei einer Operation gekommen ist. Sie überlebte. Im anderen Fall verstarb ein 63-jähriger Mann nach einer Routineuntersuchung am 27. Mai. Das Amtsstatthalteramt hat ein medizinisches Gutachten in Auftrag gegeben.

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