Fieberhaft sucht die Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz (Auns) zurzeit eine Lokalität für die Mitgliederversammlung vom 23. April – mit AfD-Chefin Frauke Petry als Gastreferentin. Im Fokus stehen Orte im Aargau, im Raum Luzern und in der Westschweiz.

Nötig wurde das, weil die Versammlung, die wie seit 1988 üblich im Berner Hotel National über die Bühne gehen sollte, abgesagt werden musste. Die Pächterin sei mit «massiven Drohungen» konfrontiert gewesen, hält Auns-Präsident und SVP-Nationalrat Lukas Reimann fest. «Man sagte ihr, man werde das National so zerstören, dass sie das Hotel auch nach der Veranstaltung nicht mehr gebrauchen könne.»

Es waren Antirassistisches Bündnis Bern und Revolutionäre Jugendgruppe Bern, die mit dem Flyer «Auns & AfD verjagen» mobil machten. In einem offenen Brief an das «National» hiess es: «Wir rufen Sie auf, die Versammlung abzusagen und ein klares Zeichen gegen Rassismus und Homophobie zu setzen.» Die Kantonspolizei Bern sagt, ihr sei aktuell keine Drohung gegen Personen bekannt. Sie habe aber Kenntnis von den Aufrufen, die dazu aufforderten, den Anlass zu verhindern oder zu stören.

Frauke Petry selbst denkt nicht an eine Absage des Auftritts. «Mich überrascht die Reaktion linker Chaoten aus der Schweiz nicht», sagt sie. «Es gibt offenbar in der Schweiz wie in Deutschland Menschen, die mir das elementare Bürgerrecht der freien Rede nehmen wollen. In deren Duktus gesprochen: Es sind Freiheitshasser, Hetzer, Antidemokraten und Pluralismusfeinde.» Bei der Auns ist man verärgert. «Der Auftritt von Frau Petry stiess offenbar bis in die höchste Etage der Stadtberner Regierung auf Unmut», sagt Geschäftsführer Werner Gartenmann. «Es ist eine Schweinerei, dass die Stadt Bern den Bürgern die verfassungsmässigen Rechte nicht gewähren kann.» Gerade die Linke fordere immer «einen kompromisslosen Zugang» zu den Grundrechten.

Die Auns will die Stadt in die Pflicht nehmen. «Wir stellen ihr den Zusatzaufwand, der zwischen 30 000 und 100 000 Franken beträgt, in Rechnung», sagt Gartenmann. Darin enthalten seien 30 000 Briefe. Und allfällige Infrastrukturbauten, die nötig würden. Konfrontiert damit, sagt Berns Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP): «Gewaltdrohungen sind immer schlecht.» Es handle sich aber um einen privaten Anlass in einem privaten Lokal. «Deshalb schauen wir den Forderungen gelassen entgegen.»

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