Vergangene Woche wurde bekannt, dass die deutsche Bundesregierung Verträge mit dem US-Telekomunternehmen Verizon nicht mehr erneuern will. Grund ist die Vermutung, dass Verizon eng mit dem US-Nachrichtendienst NSA kooperiere, der auch die deutsche Regierung abgehört hatte. Man setze neu auf einen Anbieter, den man im Zweifelsfalle besser kontrollieren könne, teilte die Berliner Regierung offiziell mit.

Auch die Schweiz hat Geschäftsbeziehungen zu Verizon, wie das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT) auf Anfrage sagt. Zum einen handle es sich dabei um Zertifizierungsleistungen für die Websites, die sicherstellten, dass die Zertifikate in allen Browsern korrekt erkannt würden. Das sei zwar «unproblematisch», man sei aber dennoch daran, diese Zertifizierung künftig unabhängig von Verizon erstellen zu lassen, schreibt das BIT.

Entscheidender ist, dass der Bund für die Kommunikation mit Botschaften und Konsulaten im Ausland auf die Dienste des amerikanischen Telekomunternehmens angewiesen ist. Dieses ist eine enge strategische Partnerin der Swisscom, welche für den Bund die Datendienstleistungen erbringt. Es gebe zur Abhängigkeit von einem ausländischen Anbieter keine Alternativen, argumentiert BIT-Sprecherin Sonja Uhlmann.

Die Partnerschaft zwischen Swisscom und Verizon besteht bereits seit 2008. Über sie ist der US-Konzern eng in das Auslandgeschäft vieler Schweizer Unternehmen eingebunden, die Kunden von Swisscom sind. Die Partnerschaft sieht vor, dass die Swisscom mit Verizon direkte «Peering»-Abkommen hat, um das eigene Netz mit dem weltumspannenden Verizon-Netz zu koppeln. Gleichzeitig handle es sich aber auch um eine Vertriebs- und Support-Kooperation, sagt Swisscom-Sprecher Carsten Roetz.

Der Datenverkehr des Bundes verläuft folglich nicht einfach nur über Verizon-Leitungen, wie das bei jeder Internetverbindung ins Ausland möglich ist. Die US-Firma ist teilweise auch für den Support im Ausland zuständig, wenn dieser nicht durch die Swisscom erfolgen kann. Das BIT betont jedoch: «Die Endgeräte und die Verschlüsselung werden durch das BIT bereitgestellt.»

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