Er gilt als einer der renommiertesten Atom-Kritiker der Schweiz: Marcos Buser, ETH-Geologe und bis vor kurzem Mitglied der Kommission für Nukleare Sicherheit (KNS), eines Spitzengremiums, das den Bund in Fragen der Nuklearsicherheit von Kernanlagen berät. Jetzt gerät er unter Filzverdacht, weil er sich von der Nagra bezahlen liess.

Buser legte sich als unabhängiges und unbequemes Mitglied dieser Kommission mit fast allen an: mit den AKW-Betreibern, dem Bundesamt für Energie (BFE), der Aufsichtsbehörde Ensi sowie der Nagra. Zum Eklat kam es diesen Sommer, als Buser unter Protest aus der Kommission austrat. In Interviews geisselte er die Verfilzung der Atombranche: «BFE, Nagra und Ensi stecken unter einer Decke.» Alle Empfehlungen von unabhängigen Experten würden «in den Wind geschlagen».

Buser selbst gebärdete sich stets als unbestechlicher Wissenschafter. Wie Recherchen des «Sonntags» zeigen, genoss aber auch Buser Zuwendungen des «Filzes». Wie aus vertraulichen Unterlagen des Departements von Energieministerin Doris Leuthard hervorgeht, stellte er für die Jahre 2009 bis 2011 Honorarrechnungen in der Höhe von 275 000 Franken – für Dienstleistungen, die Buser zusätzlich zu seinen Bezügen als Kommissionsmitglied verrechnete.

In einem Interview mit der linken «WOZ» sagte Buser: «Sobald ein Institut einen Auftrag für die Atomindustrie annimmt, ist es nicht mehr unabhängig.» Nun zeigt sich, dass auch Buser Gelder aus dem «Atomfilz» bezog. Buser arbeitete für das Endlager-Projekt Mont Terri, wo er regelmässig Führungen im Auftrag der Nagra durchführt, die von dieser beglichen werden. Die Nagra ist genossenschaftlich organisiert und wird zum grossen Teil von den vier Schweizer AKW-Betriebsgesellschaften getragen.

Im Geheimbericht steht zudem, dass Buser «sich immer wieder zu Essen einladen» liess, «insbesondere mit Vertretern der Nagra». Er habe sich sogar häufiger einladen lassen als Ensi-Direktor Hans Wanner (dem Buser Verfilzung mit der Nagra vorwirft). Der Bericht kommt zum Schluss, dass die Filz- und Inkompetenz-Vorwürfe Busers zum grossen Teil falsch seien. Ebenso falsch sei die Anschuldigung, dass die Empfehlungen des KNS systematisch übergangen wurden.

Und was sagt Buser zu den Engagements? In einem dreiseitigen Statement bestätigt er vollumfänglich die Aufträge, die er gegenüber dem «Sonntag» detailliert auflistet. Seine gesamten Bezüge im «nuklearen Bereich», einschliesslich KNS-Entschädigungen, beziffert er auf insgesamt 523 000 Franken für die Jahre 2009 bis 2011. «Niemand, schon gar nicht das Bundesamt für Energie, hat sich an dieser Tatsache gestört», hält Buser fest. Seine Rechnungen seien jeweils anstandslos beglichen worden.

Mehrfach habe er darauf hingewiesen, dass die Entschädigungsbedingungen für Selbstständige «unhaltbar» seien. Das Energiedepartement hätte es in der Hand gehabt, unabhängige Experten zu beschäftigen. Die Filzvorwürfe, die er gegen Ensi, BEF und Nagra erhoben habe, seien «nicht im Mindesten tangiert». Im Gegenteil: Dass seine Bezüge an die Öffentlichkeit kommen, «zeigt ja, dass Nagra, Ensi und BFE offensichtlich zusammengespannt haben». Das sei ein «plumper Diskreditierungsversuch».

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