Die Zürcher Goldküsten-Schickeria ist aus dem Häuschen. Der italienische Modekonzern Prada eröffnet dieses Jahr an der Bahnhofstrasse 42 ein eigenes Geschäft. Doch die Umbauten dauern an. Seit Wochen sind die Schaufenster bedeckt. Grund dafür sind unter anderem faserförmige Silikat-Minerale. Auch genannt: Asbest.

Die Liegenschaft mit der Hausnummer 42 wurde 1968 erstellt. «Damals war die Verwendung von versiegeltem, gebundenem Asbest üblich», sagt Claudia Kienberger, Sprecherin der Immobilieneigentümerin Swiss Prime Site (SPS). Als es letztes Jahr zum Mieterwechsel mit Prada kam, entschied sich SPS für eine Sanierung. «Dabei wurden auch die asbesthaltigen Elemente fachmännisch und unter Einhaltung aller Sicherheitsvorkehrungen entfernt», sagt Kienberger. Das Material kam vor allem zum Brandschutz und zur Abschottung zur Anwendung.

Zum Sanierungsschritt habe man sich freiwillig entschieden, sagt Kienberger. Der Asbest-Abbau entspreche der «langfristigen, nachhaltigen Investitionspolitik des Unternehmens». Sie betont, dass gebundener Asbest keine Fasern freisetze und deshalb keine Gefahr darstelle. Deshalb habe man in der Vergangenheit auf eine Sanierung verzichtet. Trotzdem dürfte die Edel-Kundschaft angesichts der Asbest-Präsenz zusammenzucken. Mulmig dürfte es den Kunden des Vormieters werden. Zuvor verkaufte PKZ-Modehaus-Besitzer Olivier Burger jahrelang teure Hosen, Hemden und Jacken in seinem Burger-Geschäft.

Als Burger die Geschäftsfläche vergangenes Jahr an Prada übergab, hiess die Verliererin vor allem Trudie Götz.

Bisher hatte die Luxus-Boutique-Inhaberin in Zürich jede Prada-Niederlassung mit ihrer Firma Trois Pommes geführt. Doch 2013 geriet ihr Geschäft ins Kreuzfeuer internationaler Kritik. US-Talkshowmasterin Oprah Winfrey hatte sich über angeblichen Rassismus in einem Trois-Pommes-Geschäft beklagt. Stichwort Täschligate. Zufall oder nicht: 2014 entschieden sich die Italiener für den Alleingang – und tappten prompt in die Asbestfalle. Götz dürfte sich ein kleines Lächeln nicht verkneifen können.

Olivier Burger soll laut der «Bilanz» Anfang 2014 ein Schlüsselgeld in zweistelliger Millionenhöhe von Prada erhalten haben für das Überlassen seines langjährigen Mietvertrags. Damals war noch von einer Eröffnung im Herbst die Rede. Zum neuen Starttermin und zu den Umbauten äusserte sich Prada auf Anfrage nicht.

Getragen werden die Sanierungskosten von SPS. «Über das Investitionsvolumen geben wir keine Auskunft», sagt Sprecherin Kienberger. Die Asbestsanierung auf der Prada-Mietfläche sei abgeschlossen. Im Treppenhaus gäbe es noch Stellen, die nicht saniert werden, da keine schädlichen Fasern nach aussen gelangen, wie von den Behörden bestätigt worden sei.

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