VON OTHMAR VON MATT

Die Software-Probleme in der Schweizer Armee nehmen eine neue Dimension an: In Wiederholungskursen (WK) wird die Buchhaltung zurzeit von Hand gemacht. Das Katastrophenhilfebataillon Kata Hi Bat 2 muss die Truppenbuchhaltung für 1500 Leute manuell führen – wie vor hundert Jahren. Das bestätigt Bataillonskommandant Urs Amiet.

Grund dafür ist eine Art «Software-Loch»: Die alte Buchhaltungs-Software ist nicht mehr in Betrieb, doch das neue Programm Flory 4.0 ist noch nicht einsatzbereit.

«Die Spezialisten in meinem Stab haben abgeklärt, welche digitale Lösung eingesetzt werden könnte», sagt Amiet, dessen Truppen sich zurzeit im Wiederholungskurs in der Genfer Kaserne «Les Vernets» befinden. Zudem hätten seine Spezialisten vordienstlich beantragt, das neue System Flory 4.0 schneller einzuführen. Das ging aber nicht. «Die Hardware steht erst ab August zur Verfügung», sagt Gaby Zimmer, Infochefin der Logistikbasis (LBA) des Verteidigungsdepartements (VBS). «Es kann vorkommen, dass einzelne Fachleute bereits umgeschult sind, bis August aber ihre Buchhaltung noch wie bisher von Hand ausführen müssen», sagt Zimmer.

Dass das Katastrophenhilfebataillon seine Buchhaltung nun wieder von Hand machen muss, zieht einige Probleme nach sich. So beschäftigen sich derzeit zwischen 16 und 20 Fachleute mit der Buchhaltung – statt wie sonst nur deren 8.

Es hapert nicht nurbei der Buchhaltung, sondern auch bei der Logistik. Als im Kadervorkurs 20 Leute am Montag vor einer Woche im Zeughaus Mellingen AG ihr Material fassen wollten, wusste der Zeughäusler von nichts. Auch hierfür sind offenbar Computerprobleme verantwortlich.

In der Politik macht sich inzwischen Unmut breit. Er erwarte von Ueli Maurer, dass er die Mängel behebe, sagt CVP-Fraktionschef Urs Schwaller: «So geht das nicht mehr weiter.»

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