Knapp hundert Passagiere drängelten sich am Swiss-Schalter des Flughafens London City. Soeben hatten sie zur Kenntnis nehmen müssen, dass Flug LX 455, der sie um 20.05 Uhr Schweizer Zeit nach Zürich Flughafen hätte bringen sollen, annulliert war. Helvetic sollte den Flug im Auftrag der Swiss durchführen.

Dass Flüge ausfallen, kommt immer wieder vor. Doch diesmal fühlten sich die Passagiere von der Swiss alleine gelassen. Für sie begann ein Spiessrutenlaufen. «Wir mussten zurück, durch den Sicherheitscheck, den wir bereits gemacht hatten», sagt Michal Svagerka, der in London arbeitet und in Zürich seine Freundin besuchen wollte. Was er in London erlebt habe, sei ihm bisher selbst bei Billigst-Airlines nicht passiert. «Niemand informierte uns, wir standen stundenlang am Schalter an, erhielten keinen Getränkevoucher, keine Bestätigung, dass der Flug annulliert wurde.» Bis am Samstag hatte Svagerka keine Ahnung, was mit Flug LX 455 geschehen ist. Am Samstag konnte er via British Airways nach Basel fliegen. Dort musste er ein SBB-Ticket nach Zürich lösen. Ob ihm das die Swiss bezahlt, ist völlig ungewiss. Von dieser Fluggesellschaft habe er «etwas ganz anderes» erwartet, sagt Svagerka. «Da war selbst Ryanair kulanter und auch besser organsiert. Bei Ryanair wussten wir, was los ist und wir erhielten auch sofort Erfrischungen.»

Bei der Swiss sei das auch nach Stunden Wartezeit in London City nicht der Fall gewesen. Unter den Passagieren kam es zu einer Art Aufruhr, der zu einem Auflauf anderer Fluggäste führte. «Einzelne Passagiere machten ihrem Unmut lautstark Luft», erzählt P. H.* «Sie hatten kein Geld mehr, wussten nicht, was sie tun sollten. Niemand half. Es wäre fast zu einem Sicherheits-Zwischenfall gekommen, so verärgert waren die Passagiere.» Polizisten hätten Stellung bezogen. Als sie hörten, was geschehen war, zeigten sie sich erstaunt. «Ein Londoner Polizist wollte einem Passagier gar 20 Pfund zustecken, um ihm zu helfen.»

P.H. hatte keine Chance, den Termin, den er am Samstagmorgen um 8 Uhr in der Schweiz hatte, wahrzunehmen. Zunächst stand er am Freitag 3,5 Stunden in der Kolonne vor dem Swiss Desk. «Zwei Personen von einem Subcontract-Unternehmen, die mit Swiss nichts zu tun hatten, mühten sich ab, waren aber für praktisch nichts zuständig und verwiesen auf eine 0800-Nummer», sagt P.H. «Nur meldete sich da niemand.» Auch P.H. hatte noch am Samstagmorgen keine Ahnung, weshalb Flug LX 455 ausgefallen war.

Das wusste auch die Swiss selbst nicht. Erst nach mehreren Rückfragen wurde klar, was geschehen war: Der Flug vom Freitag um 18.55, den Helvetic im Auftrag der Swiss durchführte, musste abgesagt werden. «Das Flugzeug hatte eine technische Panne beim Fahrwerk», sagt Swiss-Sprecherin Karin Müller. «Sie konnte zwar behoben werden. Das Flugzeug startete aber nicht mehr, weil es beim Rückflug nach Zürich in das Nachflugverbot gekommen wäre.» Damit fiel der Rückflug LX 455 von London City nach Zürich ebenfalls aus. «Ein derart kurzfristiger Flugausfall ist sehr ungünstig und sehr unangenehm für Passagiere», sagt Müller. «Freitagabend sind die Flüge immer sehr gut besetzt, unter anderem mit Geschäftsreisenden.» Kurzfristige Umbuchungen in London nehme für die Swiss Allitalia Ticketing vor. «Sie hat nichts aussergewöhnliches gemeldet.»

Besonderes Pech hatte am Freitag aber auch die Swiss selbst: Auch ihr Flug LX 257 von Tel Aviv nach Zürich fiel aus. «Es wurde ein technisches Probleme angezeigt, weshalb der Flug abgesagt wurde», bestätigt Müller. Zwar sei eigens Ersatzmaterial nach Tel Aviv geschickt worden, doch es habe sich gezeigt, dass die Anzeige falsch gewesen sei. «Der Flug hätte eigentlich stattfinden können», sagt Müller. «Doch Sicherheit hat bei Swiss immer oberste Priorität.

*Name der Redaktion bekannt

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