Oben blau, unten grau. Die ersten Skigebiete haben die Wintersaison eröffnet, weitere folgen nächstens. Auch wenn der Schnee noch nicht meterhoch liegt, reicht es für die ersten Schwünge. Aber aufgepasst: Jährlich verletzen sich gemäss der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) 65 000 Schneesportler auf Schweizer Pisten. Meist werden das Knie, der Fuss oder die Schulter der Skifahrer in Mitleidenschaft gezogen. Bei den Snowboardern ist es neben der Schulter oftmals der Unterarm oder die Hand. Abgenommen haben dagegen schwere Kopfverletzungen.

Der Grund dafür: der Helm. Er verhindert rund jede dritte Verletzung. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit, beispielsweise eine schwere Hirnverletzung zu erleiden, kleiner mit einem Kopfschutz. So erstaunt es nicht, dass die Mehrheit aller Ski- und Snowboardfahrer überzeugte Helmträger sind. Neuste Zahlen, die der «Schweiz am Sonntag» vorliegen, zeigen, dass mittlerweile 92 Prozent aller Wintersportler ihren Kopf schützen. Betrachtet man ausschliesslich die in der Schweiz wohnhaften Personen, liegt die Quote sogar bei 95 Prozent – Tendenz nach wie vor steigend. So geht die bfu davon aus, dass sich die Tragquote derjenigen der Jugendlichen angleicht. Diese beläuft sich bei den bis 17-Jährigen auf 99 Prozent.

Vom Kübel zum Accessoire
Vor 25 Jahren trugen erst vereinzelt Kinder einen Kopfschutz, meist in Form eines weissen, grossen Kübels der Marke Uvex. Heute gehört der Helm zur Standard-Ausrüstung. Unzählige Anbieter offerieren Modelle in verschiedenen Farben und Formen. Die Preise sind ebenfalls gesunken. Und Wintersportler, die sich nur sporadisch in die Höhe wagen, können einen Helm auch tageweise mieten. Mit der Folge, dass die Tragquote von Jahr zu Jahr ansteigt.

In der Saison 2002/2003 trugen gemäss bfu-Daten nur 16 Prozent der Ski- und Snowboardfahrer einen Helm. Heute sticht ein Sportler, der nur mit einer Wollkappe unterwegs ist, gleich ins Auge. «Kluge Köpfe schützen sich»: Dieses Motto setzte sich bei den 2,5 Millionen Wintersportlern durch – und zwar ohne Gesetze, Vorschriften oder Regeln. Ganz anders sieht die Situation bei den Velofahrern aus. Nur knapp die Hälfte trägt einen Helm. Immer mal wieder wird über eine Tragepflicht debattiert. Unzählige Kampagnen wurden schon lanciert.

So legte die Suva während zehn Jahren den Fokus ihrer Präventionskampagne für Velofahrer auf den Helm. Wie von der Unfallversicherung zu erfahren ist, mit Erfolg. «Wir konnten die Tragequote von 4 auf 49 Prozent steigern», sagt Sprecherin Barbara Senn. Dies sei internationaler Rekord. Doch Senn räumt auch ein, dass Botschaften nach einer gewissen Zeit ihre Wirkung verlieren und die Zielgruppe abstumpft.

Insbesondere für kurze Strecken pfeifen Velofahrer auf den Helm: Zum Brötchenholen, um an den Bahnhof zu fahren oder um zur Chorprobe zu fahren. «Im Alltag verzichten sie oft aus Bequemlichkeit oder aus ästhetischen Gründen auf den Kopfschutz», sagt Benedikt Heer, Berater Sport beim bfu. Dabei sei es besonders im Strassenverkehr angebracht, sich zu schützen, da ein Zusammenprall mit Autos oder Lastwagen schwerwiegende Folgen haben könne.

Sobald jedoch das Velofahren als Sport praktiziert wird, ist die Tragquote ähnlich hoch wie auf der Piste. «Dann gehört der Helm ganz selbstverständlich zur Ausrüstung dazu.» Trotz dieser Diskrepanz sind weder Pro Velo noch die Suva oder bfu für eine Velohelm-Pflicht. Sie sind überzeugt, dass wie beim Beispiel der Skifahrer Prävention wirkt.

Die beiden Organisationen werden daher nicht müde, weiter in diesen Bereich zu investieren. Neues Ziel für die Wintersaison: die jährlich anfallenden Unfall-Kosten von 269 Millionen Franken reduzieren. Diese Woche pfiffen die Suva und bfu zum Angriff auf die Knie-, Schulter- und Hand-Blessuren. Und zwar mit einen Schneesport-Check. Dieser kann online ausgefüllt werden und zeigt den Ski- und Snowboardfahrern auf, wie sie ihr Unfallrisiko einschätzen und minimieren können.

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