Sie dürften dieses Jahr unter so manchem Christbaum liegen: sogenannte Action-Kameras. Befestigt am Helm, sind diese bei Bikern sowie bei Ski- und Snowboardfahrern ein Must-have. Die Läden und Online-Elektronik-Händler freuts. «Das Filmen und Teilen der eigenen Erlebnisse liegt im Trend», sagt Lino Bugmann von Digitec Galaxus. Facebook und Youtube sowie ausgeklügelte Funktionen fürs schnelle Teilen und insgesamt immer einfacher zu bedienende Kameras würden diese Entwicklung zusätzlich befeuern.

Dies stellt man auch bei der Migros fest. «Die Nachfrage stieg in den letzten beiden Jahren rasant an», sagt Sprecherin Monika Weibel. Die Genossenschaft verkauft heuer doppelt so viele Sport- und Outdoor-Kameras wie im Vorjahr. Eine noch grössere Absatzsteigerung konnte Brack.ch verzeichnen. Beim Online-Shop wurden dieses Jahr fast viermal so viele Action-Kameras wie noch vor zwei Jahren bestellt.

Erstmals hat nun die Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) untersucht, wie viele Wintersportler auf Schweizer Pisten mit Action-Kameras unterwegs sind. Dafür waren die Forscher in 21 Skigebieten unterwegs und beobachteten 5000 Skifahrer und Snowboarder. Die Resultate liegen der «Schweiz am Sonntag» vor. Vier Prozent der Wintersportler tragen entweder eine Kamera auf dem Helm oder haben zumindest eine Halterung angebracht. «Das sind auf den ersten Blick nicht so viele Sportler», sagt Giannina Bianchi, Forscherin Sport und Freizeit von der bfu, doch die Kameras seien auch noch nicht lange auf dem Markt. Bei Manor hat der Trend 2012 «so richtig Fahrt aufgenommen» und bei Media Markt ist der Hype 2013 «explodiert». «Für diese kurze Zeit ist die Entwicklung enorm», sagt Bianchi.

Jährlich zieht es 2,5 Millionen Schweizer Skifahrer und Snowboarder in die Alpen. Das heisst, bereits kurven mehr als 100 000 Wintersportler mit Action-Kameras die Pisten hinunter. Besonders beliebt ist das Gadget bei den Männern. Sie machen 90 Prozent der Tragenden aus. Gemäss der bfu-Untersuchung sind die meisten Nutzer zudem Skifahrer und zwischen 13 und 25 Jahre alt. Und sie weisen ein gutes Fahrniveau auf – 63 Prozent sind Könner.

Nichtsdestotrotz rät die bfu vom Gebrauch der Helmkameras ab. «Sie können Sportler zu mehr Risiken verleiten», sagt Bianchi. Um spektakuläre Bilder zu erhalten, fahre jemand eher abseits der Piste oder springe waghalsige Kunststücke. Eine Action-Kamera kann zudem auch die Verletzungsgefahr erhöhen. Dies einerseits, weil sich der Wintersportler der Kameraführung anpasse, anstatt in Fahrtrichtung zu schauen. «Und andererseits weil bei einem Sturz auf den Kopf die Kamera als Hebelarm wirkt und die Helmschale beschädigt werden kann.»

Wie viele Unfälle jährlich wegen Action-Kameras im Tiefschnee und auf den Pisten passieren, ist unklar. Bei der Unfallversicherung Suva rät man aber nicht per se vom Tragen ab. «Verbieten lassen wäre problematisch. Die Sportler sollen sich jedoch genau überlegen, wann und wo sie die Kameras einsetzen möchten», sagt Samuli Aegerter, Kampagnenleiter Schneesport bei der Suva. Wer sich seines Könnens und seiner Grenzen bewusst sei, gehe dabei auch weniger Risiken ein.

Allerdings stellt die Suva zwei Typen von Nutzern fest: Solche, deren Ziel es ist, möglichst extreme Aufnahmen auf die Sozialen Medien hochzuladen, und solche, die für das Ferien- und Familienalbum fotografieren und filmen. «Gerade bei der zweiten Gruppe haben wir wenig Bedenken.» Fragwürdig sei jedoch, wenn Wintersportler gefilmte Lawinenunfälle mit Verletzten oder gar Toten ins Netz laden würden.

Schweizweiter Verkaufsrenner bei den Action-Kameras sind Modelle der Firma GoPro. Besonders gefragt: GoPro Hero 4 Black für rund 399 Franken. «Das muss auf die weite Verbreitung und das Marketing zurückzuführen sein», sagt Daniel Rei von Brack.ch. Denn der Mitbewerb habe teilweise die umfangreichere Grundausstattung bei vergleichbarer Bildqualität und somit ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis zu bieten. Eine grosse Auswahl bieten vor allem Online-Händler an. Über 50 Modelle sind beispielsweise bei Digitec Galaxus, Brack oder Media Markt zu kaufen.

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