Sie sind noch Kinder und kommen schon mit dem Gesetz in Konflikt. Wegen Drogenhandels. Die Zahl der Jugendlichen, die wegen des Handels mit Drogen verurteilt wurden, ist laut Bundesamt für Statistik um 20 Prozent angestiegen. Besonders aktiv waren die ganz Jungen. 2014 wurden ein Drittel mehr 14- bis 15-Jährige wegen des Handels mit Betäubungsmitteln verurteilt als noch 2013. Insgesamt belangten die Jugendanwaltschaften 821 Teenager wegen Dealens.

Was ist los mit unseren Jugendlichen? Setzen Drogenbanden nun auf Minderjährige? Der Aargauer Jugendanwalt Hans Melliger relativiert. Bei den Verurteilten in seinem Kanton handle es sich vorwiegend um Minderjährige, die kleine Mengen Cannabis ihren Kollegen weiterverkauften. Von Teenies, die grössere Mengen Drogen umschlagen, könne nicht die Rede sein. Melliger warnt zudem vor der Aussagekraft solcher Statistiken. Der Trend zu mehr Verurteilung von jugendlichen Dealern habe auch damit zu tun, dass härter durchgegriffen würde. «Wenn strenger kontrolliert wird, werden auch mehr Fälle bekannt. Wie gross die Dunkelziffer ist, wissen wir aber nicht.» Dass die Zahl der Verurteilungen von jugendlichen Drogenhändlern im Vergleich zu den Erwachsenen zunimmt, erklärt sich Jugendanwalt Melliger auch mit unterschiedlichen Rechtsgrundlagen. «Während Erwachsene, die mit geringen Mengen Cannabis erwischt werden, mit einer Ordnungsbusse davonkommen, wird bei Minderjährigen immer ein Verfahren eröffnet. Sie werden dann auch gefragt, woher sie den Stoff haben, und verraten so manchmal ihre Kollegen.» Diese kommen dann wegen Handels dran.

Seit dem 1. Oktober 2013 werden erwachsene Kiffer, die mit bis zu 10 Gramm Cannabis erwischt werden, nur noch mit einer Ordnungsbusse von 100 Franken gebüsst. Weil es keine Untersuchung gibt, fragt auch niemand nach der Herkunft des Stoffes.

Dass Jugendliche ihr Gras vor allem über Kollegen beziehen, dürfte auch eine Folge der Revision des Betäubungsmittelgesetzes sein. Bis zu drei Jahre Knast gibt es seit 2011 für die Abgabe von Drogen an Minderjährige. Für die Kids ist es so schwieriger, Cannabis zu kaufen. Gut möglich, dass sie darum eher auf Gleichaltrige ausweichen.

Unter den schweren Fällen von Drogenhandel sind Jugendliche übrigens kaum vertreten. Nur 8 Verurteilte waren noch nicht volljährig, und die Zahl nahm in den letzten Jahren tendenziell ab. Die Verurteilungen wegen Gewaltdelikten nehmen ebenfalls ab.

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