VON CLAUDIA MARINKA

Die Schweizerische Gesellschaft für Pädiatrie hat alle Kinder und Jugendlichen erfasst, bei denen Kindsmisshandlung diagnostiziert werden konnte. Im vergangenen Jahr wurden 785 Fälle gemeldet:

Körperliche Misshandlung:229 Fälle, davon 50 Prozent stationär behandelt.

Sexueller Missbrauch: 219 Fälle, davon 15 Prozent stationär behandelt.

Vernachlässigung:213 Fälle, davon 68 Prozent stationär behandelt.

Psychische Misshandlung:121 Fälle, davon 53 Prozent stationär behandelt.

Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom (Psychisch kranke Täter): 3 Fälle.

Wie gravierend die Fälle sein können, zeigt das Beispiel eines Mädchens, das im Kantonsspital Baden behandelt wurde: Die dreijährige Laura (Name geändert; siehe Foto) wurde völlig abgemagert in die Klinik eingeliefert. Sie wog nur gerade 8 Kilogramm. Sowohl der Vater als auch die Mutter sind gebürtige Schweizer. Inzwischen hat sich der Zustand des Kindes verbessert. Die Zahlen des letzten Jahres geben ein umfassendes Bild, denn aus der Deutschschweiz und aus dem Tessin liegen mit Ausnahme der Kinderkliniken St. Gallen und Münsterlingen TG die Daten sämtlicher Institutionen vor.

«Wenn wir diese Zahlen hochrechnen auf alle Kliniken, dann sind wir schätzungsweise bei 1000 Fällen», sagt Markus Wopmann, Leiter der Fachgruppe und Chefarzt für Kinder und Jugendliche am Kantonsspital Baden. Die überwiegende Anzahl der Täter stammt aus dem Bekanntenkreis. Gerade mal 6,7 Prozent sind Fremdtäter. Ein Drittel der Täter ist weiblich. Im Interview mit dem «Sonntag» fordert die St. Galler Regierungsrätin Karin Keller-Sutter, Vizepräsidentin der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren: «Polizeibeamte und Staatsanwälte sollten noch besser in Bezug auf Kindsmisshandlung ausgebildet werden.»

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