VON NADJA PASTEGA

Ein spektakulärer Fall wurde diese Woche publik: Ein 17-jähriger Armenier flüchtete Anfang Jahr aus dem Jugendheim Prêles im Berner Jura. Dort sass er wegen versuchten Totschlags ein. Auf der Flucht wurde er erneut straffällig: Am 1. September tötete er in Lausanne einen 25-jährigen Mann mit einem Messer.

Für Schlagzeilen sorgte im Juni ein Ausbruch aus dem Gefängnis Schaffhausen: Der 21-jährige Albaner Afrim Nikoci brach ein Loch in die nur 60 cm dicke Sandsteinmauer. Er sass wegen Verdacht auf Drogenhandel in Untersuchungshaft und ist seither flüchtig.

Im September 2008 entwich der 20-jährige Moldawier Ciprian Onilov beim Bahnhof Lenzburg, als er vom Gefangenenzug in ein Fahrzeug der Kantonspolizei umgeladen werden sollte – er flüchtete ohne Schuhe und in Handschellen. Der Gefangene befand sich «wegen schwerer Einbrüche in mehreren Fällen» in Untersuchungshaft, wie Bernhard Graser, Sprecher der Kantonspolizei Aargau sagt: «Bis jetzt fehlt von ihm jede Spur.»

Tag der offenen Tür im Schweizer Strafvollzug? Die Kriminalitätsstatistik ergibt einen bedenklichen Befund: In den Jahren 2002 bis 2007 kam es landesweit jährlich zu 2421 bis 2625 «Entweichungen» aus dem Straf- und Massnahmenvollzug, aus Heimen oder beim Polizeitransport. Davon konnten jeweils gegen 2000 Entwichene wieder gefasst werden. Doch rund 500 Geflohene kehrten nicht zurück – pro Jahr.

Seit diesem Jahr wird die Zahl der Entweichungen nicht mehr gesamtschweizerisch ausgewiesen. Aus methodischen Gründen, wie es beim Bundesamt für Statistik heisst.

«Sonntag»-Recherchen zeigen: Es wird munter weiter getürmt. Im Kanton Schaffhausen kam es 2009 (Stichtag 20. August) zu 14 Entweichungen, 2008 waren es 57. Von 2004 bis 2008 entwichen im Kanton Zürich 326 Personen aus dem offenen Strafvollzug. Allein im letzten Jahr gingen 52 «auf Kurve», sieben kehrten nicht zurück.

Lesen Sie den ganzen Artikel in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!