GELDSTRAFE FÜR VERGEWALTIGUNG

Mehr sexuelle Verbrechen – und zugleich weniger Haftstrafen: Unter dem neuen Strafrecht kommt jeder dritte Sextäter mit einer Geldstrafe davon.

VON NADJA PASTEGA

Seit der Gesetzesrevision, die 2007 in Kraft trat, werden Sexualstraftäter viel milder bestraft, wie nun eine erste Bilanz zeigt. Und das ausgerechnet bei den schweren Verbrechen Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, Schändung, sexuelle Handlungen mit Kindern.

Das Bundesamt für Statistik (BfS) hat die Urteile für «Delikte gegen die sexuelle Integrität» erhoben. Demnach haben die Sexualverbrechen zugenommen – doch erstaunlicherweise haben die Haftstrafen gegen Sexualtäter abgenommen:

Die Zahl Delikte, bei denen ein Sexualverbrechen die Hauptstraftat war, ist in acht Jahren von 490 auf 598 Delikte gestiegen – eine Zunahme um 22 Prozent. Zugleich aber sanken die unbedingten Gefängnisstrafen von 169 auf 98. Das entspricht einer Abnahme um 42 Prozent. Von den 598 verurteilten Sextätern kamen 222 mit einer bedingten Geldstrafe davon. Also jeder Dritte.

Geldstrafen gab es sogar für Vergewaltigungen und sexuelle Nötigung (Letzteres sind zum Beispiel Vergewaltigungen ohne vaginale Penetration, etwa anale oder orale Vergewaltigungen). Für diese Vergewaltiger erhob das Bundesamt für Statistik für 2008 33 Geldstrafen, davon sind 30 bedingt.

Erschreckend:Ein Jahr nach Inkrafttreten des neuen Strafrechts wurden nur 30 Prozent der Sexualstraftäter zu einer unbedingten Strafe verurteilt – für 70 Prozent hatte die Tat keinerlei Konsequenzen.

Es seien auch Urteile enthalten, «bei denen der Täter die Tat lediglich versucht hat oder beispielsweise vermindert schuldfähig war», relativiert das Bundesamt für Justiz. Das führe zu milderen Urteilen. Fakt aber ist: Das revidierte Strafrecht führte zu milderen Strafen.

«Seit 2007 hat eine Verlagerung zu bedingten Strafen stattgefunden», sagt Martin Killias, Strafrechtsprofessor an der Universität Zürich und Aargauer SP-Nationalratskandidat. Vor allem die bedingte Geldstrafe sei «auf dem Siegeszug». Killias: «Dass die Geldstrafe bei Sexualdelikten zur Hauptstrafe geworden ist, weist auf eine Banalisierung von sexueller Gewalt hin.»

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