Die Vorverkaufskasse klingelt und klingelt und klingelt. Noch ist die Premiere zweieinhalb Wochen weit weg, noch weiss niemand, was Rindlisbacher und Furrer genau im Sinne haben – und schon sind die allermeisten Eintrittskarten weg. Ohne Überheblichkeit geht René Rindlisbacher davon aus, dass beim Tourneestart am 1.März die ersten 30 Gigs weitgehend ausverkauft sein werden.

Sein Partner meint den Grund dafür zu wissen: «Unter dem Thema Klassenzusammenkunft kann sich jeder und jede etwas vorstellen. Alle kennen die Mechanismen, die bei solchen Zusammenkünften spielen.» Unsereins hegt einen andern Verdacht: Nach dem ersten Programm von 2006 («2proMüll»), das ein Erfolg war, und nach dem Abstecher zum Zirkus Knie im vergangenen Jahr haben die Deutschschweizer endgültig Appetit auf Edelmais bekommen.

Wie auch immer: Den beiden Komikern bietet das Thema die ideale Vorlage, alles auszupacken, was sie sich in den letzten Jahren als Bühnenprofis angeeignet haben. Sie stellen während gut zwei Stunden insgesamt 14 Charaktere auf die Bühne und steigen dabei erstmals in ihrem Bühnendasein in Frauenkleider. Sie parodieren und persiflieren. Sie wechseln Klamotten und Dialekte. Sie reden mit sich selber und lassen sich in die eigenen Eingeweide blicken. Zugegeben, das tönt etwas kompliziert. Keine Angst! Alles löst sich im Laufe des Abends spielend-spielerisch und wie von selbst auf.

wie schon im ersten Edelmais-Programm reihen Rindlisbacher und Furrer nicht einfach einen Sketch an den nächsten. «Wir lassen nicht einen Gag nach dem andern knallen», sagt Rindlisbacher, «wir wollen etwas subtiler sein.» «Klassezämekunft» werde als Geschichte erzählt und bewege sich auf drei Ebenen, ergänzt Furrer.

Einerseits sind da die Gymnasiasten, die sich zur ersten Klassenzusammenkunft versammeln. Auf der zweiten Handlungsetage agieren Edelmais, die vom Organisator des Klassentreffens als Unterhaltungsakt eingeladen wurden. Und schliesslich gibt es – dritte Ebene – viele Interaktionen mit einzelnen, real anwesenden Zuschauern, die flugs und spontan zu Klassenmitgliedern gemacht werden. Hier sind von den Hauptdarstellern Geistesgegenwart und Situationskomik gefordert. «Das ist in der Tat ein Risiko, weil wir nie wissen, wie der Zuschauer reagiert», sagt Furrer. Rindlisbacher verspricht: «Wir behandeln die Spontan-Gäste liebevoll. Nichts liegt uns ferner, als sie blosszustellen.»

Neben dem Live-Theater gibt es als weiteres tragendes Element viele Video-Einspieler – auch das ist man sich vom ersten, erfolgreichen Edelmais-Programm gewohnt.

Vor gut anderthalb Jahren kamen Furrer, Rindlisbacher und die beiden Ko-Autoren Thomas Weber und Carlos Amstutz überein, dass sich die Klassenzusammenkunft-Idee abendfüllend ausbauen lasse. Seit drei Monaten wird intensiv am Projekt gearbeitet und geprobt. Von den ursprünglich 22 Nummern sind 15 übrig geblieben. Furrer sagt, dass es in den vergangenen Wochen gelungen sei, einen Stil und eine Sprache zu entwickeln, die sowohl für ihn als auch für den Partner stimme. Rindlisbacher ist überzeugt, dass Edelmais gegenüber dem ersten Programm «einen riesigen Schritt vorwärts gemacht haben». «Wenn ich nach einer Probe nach Hause gekommen bin, habe ich zu meiner Frau jedes Mal gesagt: ‹Wow, das wird richtig gut!›»

Eifersüchteleien gibt es keine. Furrer weiss, dass er «für einen Lacher viel härter krampfen muss als René». Rindlisbacher – bekannt von den Schmirinskis und dem SF-Quiz «Die Millionen-Falle» – sei ein Ur-Comedian, er aber komme vom ernsthaften Schauspiel. Am Ende sei es egal, wer einen Lacher abhole, «Hauptsache, es gibt Lacher».

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!