Sandro Cavegn (32) hat einen Titel auf Lebzeiten, er ist der letzte gewählte Schweizer Schönheitskönig und somit ewig amtierender Mister Schweiz: «Diese Wahl wird wohl definitiv nicht mehr stattfinden. Für einen solchen Event überhaupt noch genügend Sponsoren zu finden, wird schwieriger. Beinahe unmöglich», gesteht Ralf Huber, Geschäftsleiter der Mister-Schweiz-Organisation. Das Aus ist wohl besiegelt. Und dass nur rund 45 700 Menschen im Schnitt die Wahl am Fernseher verfolgten, als zum letzten Mal zwölf Schönlinge im August 2012 auf 3+ um den Mister-Titel kämpften, ist für einen neuen Anlauf des seit vier Jahren stillgelegten Events alles andere als hilfreich.

Auch bei der Miss-Schweiz-Organisation kämpft man um jeden Sponsorenfranken. Inhaber Guido Fluri (50) steckt zwar Jahr für Jahr mehrere hunderttausend Franken eigenes Geld in den Event, wie es weitergeht, ist aber ungewiss. Bekannt ist nur, dass der Unternehmer von Wahl zu Wahl den Wohltätigkeits-Faktor mehrfach multiplizieren will. Noch mehr «Miss mit Herz» geht kaum. «Solange Guido Fluri der Inhaber ist, wird die Miss Schweiz ein ‹Gutmensch› bleiben», sagt Nik Schwab, Mediensprecher der Miss Schweiz Organisation.

Für Experten ist genau diese Richtung aber der Anfang vom Ende: «Die Wahlen zu Mister und Miss Schweiz sind in der aktuellen Machart nicht mehr zeitgemäss», sagt 3+-Chef Dominik Kaiser (46) und schaltet sich damit zum ersten Mal öffentlich in die Diskussion ein. Und er hätte sogar eine Lösung parat: «Man müsste Wahl zu Miss und Mister Schweiz konsequent als TV-Format denken und konzipieren. Dann sähen wir eine Chance, dass die beiden Brands wieder zum Fliegen kommen.»

Kaiser sagt, er habe der Miss Schweiz Organisation dazu mehrfach Angebote gemacht. «Wir hätten auch die Kosten der TV Sendungen komplett selbst übernommen. Leider ohne Erfolg. Die Fokussierung einer Miss Schweiz auf einen unnahbaren Gutmenschen würde allerdings im TV nicht funktionieren!» Ein TV Format «Mister und Miss Schweiz» bräuchte Drama, Emotionen und mehr als Protagonisten, fordert der TV-Profi. «Richtige Menschen zum Anfassen – wie beim Bachelor oder der Bachelorette.»

Gespräche mit SRF gescheitert
Ob Verleger Jürg Marquard (71), aktueller Besitzer der ramponierten Mister-Marke, mit dem TV-Kaiser einen Deal machen wird, dazu nimmt Sprecher Ralf Huber keine Stellung. Missen-Chef Guido Fluri hat kein Interesse am Vorschlag des 3+-Chefs: «Die Miss Schweiz Organisation hätte dem Sender die Sponsoreneinnahmen abtreten müssen und damit den Grossteil ihrer Einnahmen verloren. Der Lohn der Miss Schweiz, der Administration und die Kosten des Wahlevents müssen aber auch bezahlt werden.» Gerüchten zufolge war es Guido Fluris sehnlichster Wunsch, die Missen-Show zurück zum Schweizer Fernsehen (SRF) zu bringen. Doch schon erste Gespräche mit den SRF-Verantwortlichen sind gescheitert. Die Mister-Wahl wird ohne weiteren Rettungsversuch sterben, und wie lange es noch Jahr für Jahr eine Miss Schweiz gibt, hängt davon ab, wie lange Multimillionär Guido Fluri die Organisation mit eigenem Geld am Leben hält. TV-Chef Dominik Kaiser wüsste, wie man mit den bekannten Marken Erfolg haben könnte. Dies hat er mit Quotenknüllern wie «Bachelor» oder «Bauer, ledig, sucht» längst bewiesen.

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