Chris von Rohr, haben Sie Angst vor dem Tod?
Chris von Rohr: Nein, aber er soll sich ruhig Zeit lassen. Letztlich bedeutet er Erlösung für uns alle. Die Hölle gibt es nur auf Erden, gemacht von Menschen.

Und das Altern?
Das Drama am Altern ist, dass die Seele immer jünger und der Körper immer älter wird. Wir werden alle körperlich unterwandert. Kein Grund zum Feiern, und nichts für sensible Gemüter.

Wie alt möchten Sie werden?
Ich hoffe, ich schaffe noch 20 Jahre, auf jeden Fall so alt, dass ich beruhigt sehe, wie meine Tochter in dieser verrückten Welt zurechtkommt. Aber es ist mir bewusst, dass der letzte Teil des Lebens eine wirkliche Herausforderung wird.

Ihre wichtigste Erkenntnis mit 65?
Don’t verzettel yourself! Besinne dich auf das Wesentliche. Und: es ist ratsam, nicht nur ein Jetzt, sondern ein geschichtliches Bewusstsein zu entwickeln, um die Geschehnisse von heute und morgen zu verstehen. Alles wiederholt sich. Es gibt weder Friedens- noch Wohlstandsgarantien. Demokratie und Selbstbestimmung sind ein äusserst rares und wertvolles Gut. Wir sollten ihm Sorge tragen.

Was macht Ihnen Sorgen?
Diese Welt – der Mensch! Technologisch mag er sich rasant weiterentwickelt haben, aber im Wesen ist er immer noch der keulenschwingende, kriegerische Höhlenbewohner, getrieben von Geldgier, Neid und uferlosen Machtgelüsten.

Was macht Sie traurig?
Wenn ich immer wieder sehe, wie Menschen mit Kindern und Tieren umgehen. Diese Vergrobung und lieblose Hektik wird langsam zu einem grossen Problem. Die Absenz von Liebe produziert kranke Menschen, verlorene Seelen und im schlimmsten Fall Terroristen.

Was möchten Sie in Ihrem Leben noch erreichen und erleben?
Man lebt, man lernt, und meine Neugier auf das Leben ist noch lange nicht gestillt. Es gibt noch so viel zu entdecken in der Musik, der Literatur und mit Menschen.

Welches sind Ihre besten Eigenschaften?
Meine Weggefährten attestieren mir: Gute Intuition, Offenherzigkeit, Unerschrockenheit und Humor. Meine Tochter meint, ich sei ein guter Vater und für jeden Schabernack zu haben. Das höre ich am liebsten.

Was vermissen Sie am Jungsein?
Durchgehenden Schlaf, Zehnerrölleli-Glace und die Hitparade der Sechzigerjahre.

Wie halten Sie sich fit, geistig und körperlich?
Viel lesen, trinken, schreiben, ein bisschen Yoga, Crosswalking und Musikmachen.

Worauf können Sie nicht verzichten?
Musik, Freunde, Bücher, Fussball, Tee, Rotwein, Käse, die Farbe der Bugalien und natürlich meine Tochter.

Wie und mit wem feiern Sie Ihren Geburtstag?
Mit Musik: Es wird zufällig der letzte Aufnahmetag unseres Albums sein. Und irgendwann am Abend stosse ich sicher, wie immer an diesem Tag, auf meine Mutter selig an, die ja damals den «dirty job» gemacht hat.

Was bedeutet für Sie Glück?
Glück, sagt der griechische Philosoph Thukydides, Glück ist Freiheit, aber dazu brauchts Mut, es gibt sie nicht umsonst. Als freier Mensch das tun zu können, was mich glücklich macht, und etwas davon weitergeben zu können, das ist mein Glück.

Was bereuen Sie in Ihrem Leben?
Wenig, aber man ist natürlich nicht immer die beste Version seiner selbst. Mittlerweile lerne ich, die Pfeile, die ich abschiesse, vorher in Honig zu tünchen.

Worauf sind Sie besonders stolz?
Auf meine kindliche Seele. Auf ein paar Songs, die ich zusammen mit Krokus und Gotthard gemacht habe. Dass wir mit Krokus, ohne Staatshilfe, gegen alle Einwände, so weit gekommen sind und als Menschen und Musiker nach all den Streitereien wieder besser denn je zusammengefunden haben.

Worin zeigt sich Ihre Eitelkeit?
Wenn ich in den Spiegel schaue, dann erkenne ich nicht Eitelkeit, sondern Tapferkeit.

Ihr wertvollster Besitz?
Meine Gesundheit, mein Haus, all die Gitarren und natürlich mein alter Steinway-Flügel.

Und was macht die Liebe?
Ich bin nun seit zwei Jahren Single, in einer Art Vorbereitungsphase für die nächste grosse Liebe. Mit all meinen Ex-Frauen lebe ich in Frieden und Freude: Frauen sind mehr mit Herz und Körper verbunden als wir Männer. Das macht sie so stark und uns so glücklich.

Wie wird man als Rockstar würdevoll alt?
Indem man leichtfüssig bleibt, weiterrockt und das tut, was einem Freude macht.

Der beste Song aller Zeiten?
Kann man so nicht sagen. Meine «seven favs» sind «Satisfaction» (Rolling Stones), «Purple Haze» (Jimi Hendrix), «My Generation» (The Who), «A Whiter Shade Of Pale» (Procol Harum), «Hey Jude» (Beatles), «Redemption Song» (Bob Marley) und «Just Like A Woman» (Bob Dylan). Zeitlose Würfe!

Wo stehen Ihre Auszeichnungen?
Im Awardgang, im Aufnahmestudio und im Klo.

Welches sind Ihre nächsten Projekte?
Im Moment widme ich alle meine Zeit Krokus und der neuen CD «Big Rocks». Eine sorgfältige Produktion verschlingt unendlich viel Zeit. Danach geht es 2017 auf Tour.

Der letzte Gedanke vor dem Einschlafen?
Gestern: Gibt es eigentlich schon Katzenfutter mit Mäusegeschmack? Und: bitte ein Traum mit Aphrodite.

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