Die Schweizer Hotellerie konnte im vergangenen Jahr um 2,5 Prozent zulegen. Auch in der Parahotellerie zeichnet sich ein Aufschwung ab. Branchenleader Interhome konnte 2013 um vier Prozent zulegen, auf den Winter 13/14 bezogen gar um fünf Prozent, und auch die Reka-Dörfer liegen im Plus. Doch wer sind diese Ferienwohnungsgäste, die den Rummel eines Hotels meiden und eine zumindest temporär eigene Behausung buchen? Bei genauerem Hinschauen lassen sie sich nach acht Kategorien ordnen.

1. Der Traditionalist
Einmal Ferienwohnung, immer Ferienwohnung, lautet sein Credo. Und das möglichst am gleichen Ort und zur gleichen Zeit. Der Traditionalist schätzt eine gewisse Konstanz in seinem Leben – und so auch in den Ferien. Routine ist dabei nicht unwillkommen, Überraschungen schätzt er dagegen weniger. Schon gar nicht in den schönsten Wochen des Jahres. «20 Jahre Berner Oberland, und immer noch wunderschön wie beim ersten Mal» sind Sätze, die man von ihm hört. Und die Ehefrau nickt zustimmend. Wieso also etwas ändern? Damit ist er beileibe nicht allein. Fast die Hälfte aller Ferienwohnungsnutzer sind Wiederholungstäter. Meist reservieren sie die Wohnung schon während des Aufenthalts fürs nächste Jahr. Schliesslich fühlt man sich in der vertrauten Umgebung spätestens nach drei Tagen wieder wie zu Hause. Nach dieser Anstandsfrist beginnt der Traditionalist oft auch, das Mobiliar nach eigenem Gutdünken umzustellen und im schlimmsten Fall sogar mit eigenen Accessoires zu schmücken.

2. Der Familienmensch
Er bucht am liebsten gleich ein ganzes Ferienhaus, denn nichts hasst er mehr, als allein in die Ferien zu reisen. Er will seine Familie und Freunde um sich haben, mit ihnen eine schöne Zeit verbringen, gemeinsam kochen und feiern. Jeder kommt, wann er Lust hat, und bleibt, so lange er will. Und wenn seine Freunde gerade nicht Zeit dafür haben, bucht er eben eine Wohnung in einem Reka-Dorf. Dort ist er garantiert umgeben von vielen Gleichgesinnten und das auch für die Kinder ein Paradies ist, denn sie dürfen so laut sein, wie sie wollen. Aber gerade das birgt zuweilen Konfliktpotenzial, wenn in den Familien verschiedene Erziehungsregeln angewandt werden. Idealerweise spricht man sich diesbezüglich untereinander bereits vor den gemeinsamen Ferien ab, damit sie nicht im Streit enden.

3. Der Pingelige
Bevor er in der Ferienwohnung etwas berührt, zückt er die Fotokamera, um den Ist-Zustand des Objektes genau zu protokollieren. Gleiches gilt übrigens auch bei der Abreise. Seine Ferientage verbringt er vor allem damit, Mängel aufzudecken und zu dokumentieren. Er findet garantiert immer etwas. Manchmal deckt er auch Sünden der Vorvorgänger auf, wie versteckte Brandlöcher im Teppich oder Wandflecken hinter dem verschobenen Bild, welche die Vermieter noch gar nicht bemerkt haben. Natürlich wird das umgehend an die Vermieter per Mail oder Telefon rapportiert. Typisch für Pingelige ist, dass sie selten ein Mietobjekt ein zweites Mal buchen. Und wenn, dann versuchen es die Vermieter, geschickt zu verhindern.

4. Der Sparsame
Man erkennt ihn daran, dass er mit übermässig viel Gepäck anreist. Er bringt nicht nur die Bratpfanne mit («Die Chance, ein sauberes, unbeschädigtes Exemplar vorzufinden, liegt bei 1:10.»), sondern auch die Bett- und Frotteewäsche («Da spart man glatt eine Tagesmiete.»). Ferienwohnungen bucht er aus finanziellen Gründen, weil sie normalerweise 30 bis 50 Prozent günstiger sind als ein vergleichbarer Hotelaufenthalt. Restaurants sucht er aus Prinzip nicht auf. Erstens hat er das Essen ohnehin mitgebracht, zweitens «weiss man ja nie, was man vorgesetzt bekommt». Natürlich wird auch die Endreinigung selbst ausgeführt, «schliesslich haben wir ja genügend Zeit».

5. Der Ästhet
Für ihn ist die Wahl der Ferienwohnung ein Grossprojekt. Meist beginnt er schon Monate – manchmal sogar Jahre – im Voraus mit der genauen Evaluation eines Objektes. Natürlich darf es nicht eine hundskommune Wohnung sein, sie muss entweder absolut neu oder dann von einem Stardesigner gebaut sein. Lieber verzichtet er ganz auf Ferien, als ein Objekt zweiter Klasse zu buchen. Dabei muss die Wohnung in erster Linie seinem ästhetischen Auge genügen. Der Preis spielt keine Rolle. Schliesslich müssen die Fereienfotos etwas hergeben und den Betrachter vor Neid erblassen lassen.

6. Der Servicebewusste
In den Ferien will er voll und ganz ausspannen können – auch in einer Ferienwohnung. Dazu will er einen Rundum-Service geniessen – wie in einem Hotel. Die Küche benutzt er zwar kaum, höchstens mal für ein Frühstück, trotzdem soll der Kühlschrank für ein eventuelles Hüngerchen stets gefüllt sein. Deshalb muss das Objekt seiner Begierde mindestens über ein Restaurant mit Lieferdienst im Hause verfügen, lieber noch mit einem Butler-Service und täglichem Reinigungsdienst. Und wenn dann auch noch ein Spa im Bademantel und Pantoffeln erreichbar ist, dann fühlt sich der Bequeme rundum zufrieden.

7. Der Unkomplizierte
Anonym eingerichtete Wohnungen sind ihm ein Gräuel, deshalb logiert er nur in Airbnbs. Denn er möchte in den Ferien so wohnen, als ob er zu Hause wäre: mit Büchern, Accessoires und den Lieblings-CDs der Vermieter. Es stört ihn auch nicht, wenn er den Schrank mit dem Vermieter teilen muss und die Ordnung nicht ganz perfekt ist. Im Gegenteil, dadurch fühlt er sich so, wie wenn er bei guten Freunden zu Gast wäre. Das gibt ihm den direkten Einblick ins Leben von Leuten aus anderen Kulturkreisen, das er so sehr schätzt.

8. Der Naturverbundene
Er liebt die Natur und das Authentische. Und wenn er dabei auch noch persönlich einbezogen wird, umso besser. Deshalb bucht er am liebsten Ferien auf dem Bauernhof oder in einer Alphütte, wo er mit seiner Familie gleich auch noch im Stall und auf dem Feld mithelfen kann. Komfort ist dabei nebensächlich. Viel wichtiger ist es ihm, dass die Wohnung einfach eingerichtet ist, es draussen nach Mist riecht und er morgens vom Hahn und Kuhglockengebimmel geweckt wird.

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