US-Präsident Barack Obama kündigte am Nato-Gipfeltreffen an, man werde den IS genauso jagen wie Al-Kaida, und das Ziel müsse sein, diese Organisation zu «zerstören». Es ist nicht die Nato selbst, sondern eine «Koalition der Willigen» – zehn Länder unter Führung der USA –, welche die islamistischen Terrorkrieger besiegen sollen. Dazu zählt Deutschland, das sich direkt an einem militärischen Konflikt beteiligt – was Kommentatoren als radikalen Kurswechsel in der deutschen Aussenpolitik werten. Deutschland liefert Raketen, Handgranaten und Gewehre an die kurdische Armee, welche die IS-Milizen zurückdrängen soll. Die Munition für diese Gewehre wiederum stammt aus der Ruag-Produktionsstätte in Deutschland.

Ist das neutralitätspolitisch heikel? Nein. Im Fall der IS kann es keine Neutralität geben. Kaum je wurde eine Militärintervention so einhellig begrüsst wie diejenige gegen den IS. Sogar der Papst hatte ein internationales Eingreifen gefordert. Das ist bemerkenswert, weil der Vatikan in der Vergangenheit meist auch gegen sogenannt «gerechtfertigte» Kriege Stellung bezogen hatte. Ebenso bemerkenswert ist, dass sich jetzt auch der Iran – eigentlich ein Todfeind der USA – vorstellen kann, mit den Amerikanern im Kampf gegen den IS zusammenzuarbeiten.

Was auffällt, ist das Abseitsstehen von Russland. Präsident Putin macht bei der Anti-IS-Koalition nicht mit, obwohl die islamistischen Milizen auch ihm gedroht haben: «Dein Thron wackelt», skandieren sie in einem Video und kündigen an, sie würden Tschetschenien und den Kaukasus befreien. Putins Zorn auf den Westen scheint zurzeit stärker zu sein als alles andere. Was die Welt nochmals unsicherer macht.

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